Allergien im Haus

Bei Allergien, die im Haus auftreten, redet man im allgemeinen von perennialen Allergien, das heißt ganzjährige Allergien. Die Allergien treten unabhängig von der Jahreszeit auf, wobei die Ausprägung allerdings nicht immer gleich ist.

Im Haus spielen vor allem drei Allergengruppen eine große Rolle: 1. Hausstaubmilbenallergien, 2. Schimmelpilzallergien und 3. Tierhaarallergien.

Hausstaubmilbenallergie

Hausstaubmilben sind sehr kleine, mit dem bloßen Auge glücklicherweise nicht sichtbare, unter dem Mikroskop unappetitlich aussehende Tierchen, die am Tag das zehnfache ihres eigenen Körpergewichts an Kot produzieren. Auf diese Ausscheidungen reagieren viele Menschen allergisch. Der Hausstaubmilbenkot findet sich vor allem im normalen Staub, aber auch häufig im Bett. Die Hausstaubmilben können sich von Hautpartikeln und Hautschuppen, die wir täglich nachts im Bett abgeben, sehr gut ernähren. Das leicht feuchte Milieu ist ideal für sie.

Wenn jemand auf Hausstaubmilben allergisch ist, bekommt er dann vor allem nachts eine verstopfte Nase, muß gelegentlich niesen, morgens erwacht er mit Juckreiz. Zum Teil schwellen die Augen zu und werden rot, es kann auch ein Asthma bronchiale resultieren. Die Beschwerden sind dort besonders stark ausgeprägt, wo sich viele Hausstaubmilben finden, insbesondere im Bett, überall da, wo es dreckig ist, z.B. im Keller und auf der Bühne. Im Freien bestehen diesbezüglich praktisch kaum Probleme. Die Beschwerden sind im Winter wesentlich ausgeprägter als im Sommer, da wir uns im Sommer mehr im Freien aufhalten und im Sommer nicht geheizt wird. Durch die Heizung wird der Hausstaubmilbenkot aufgewirbelt und gleichmäßig in der ganzen Wohnung verteilt, so daß wir überall etwas davon abbekommen. Auch Haustiere bringen viele Hausstaubmilben mit, weswegen Hausstaubmilbenallergiker grundsätzlich keine Haustiere halten sollten, auch wenn sie auf die Tiere selbst nicht allergisch reagieren.

Den Hausstaubmilben können wir nicht hundertprozentig aus dem Weg gehen. Selbst übermäßiges Putzen beseitigt sie nicht vollständig. Sie vermehren sich unglaublich schnell. Die Belastung durch die Hausstaubmilben kann etwas reduziert werden durch entsprechende Bettbezüge, die die Milben nicht durchlassen (sogenanntes Encasing). Es gibt mehrere therapeutische Möglichkeiten, um die Allergieneigung zu beseitigen. Hier kommen verschiedene Therapiemaßnahmen der Schulmedizin und auch der Alternativmedizin in Betracht.

Schimmelpilzallergien

Schimmelpilze können sehr starke allergische Symptome bei uns verursachen, insbesondere auch einen chronischen Schnupfen, chronische Nebenhöhlenentzündungen und ein Asthma bronchiale. Schimmelpilze befinden sich überall. Das merkt man, wenn man ein Brot liegen läßt, schimmelt es nach einigen Tagen. Normalerweise kann man Schimmelpilze nicht sehen, wenn sie in geringer Zahl auftreten. Treten sie aber massenhaft auf, so lassen sie sich in der Wohnung erkennen. Es riecht "muffig". Es finden sich oft schwarze Flecken an den Zimmerecken, häufig finden sich auch mit Schimmelpilz befallene Stellen hinter Schränken, unter oder hinter Betten und unterhalb des Teppichs. Es reicht unter Umständen auch ein einziges verschimmeltes Buch aus, um massiv Symptome auszulösen. Pflanzen sind praktisch immer mit Schimmelpilz befallen. Daher sollten Schimmelpilzallergiker keinesfalls Pflanzen ins Schlafzimmer stellen.

Man sollte bei den Schimmelpilzallergien klären, gegen welchen Pilz man konkret allergisch ist. Dann kann man auch besser dafür sorgen, die Belastung auszuschalten:

 

Pilz

Hauptbelastung

Vorkommen

Bedeutung

Alternaria tenuis

Juni-September

Sporen in der Luft; Saprophyt auf lebenden und absterbenden Pflanzen(Gras, Zierpflanzen); Textilien

Rhinitis, Asthma, Ekzeme

Aspergillus amstelodami

 

Aspergillus fumigatus

Aspergillus niger

Juni-September

 

 

Juni-September

Juni-September

in der kalten Jahreszeit häufiger in Häusern; Stroh, Heu; ältere Lebensmittel

Tierproduktionsbetriebe

z.T.wie A.amstelodami

Zimmerpflanzen; Früchte; feuchte Häuser, in Gehörgängen

Inhalationsallergien, aber auch Erreger von Mykosen und Mykotoxikosen

Botrytis cinerea

Juli-Dezember

auf Gemüse, Obst, Weintrauben; Blumen; häufig in der Wohnraumluft

im bäuerlichen Bereich Beschäftigte sind besonders exponiert, Winzer

Chaetomium globosum

Juli-November

zersetzt cellulosehaltige Stoffe, z.B. Stockflecken auf Tapeten; feuchtes Stroh

vorzugsweise bei Landarbeitern

Cladosporium fulvum

Cladosporium herbarum

Juli-Oktober

Juli-November

in Gewächshäusern

in absterbenden Pflanzenteilen

Gärtner, Landarbeiter, Hausfrauen

Symptome oftmals gleichzeitig mit Graspolleninhalation

Curvularia spiciferae

Juni-Oktober

Blattfleckenkrankheit bei Gräsern und Getreide

Corneaerkrankungen und Sensibilisierung im bäuerlichen Beruf

Fusarium species

August

auf Früchten; im nassen Erdreich

 

Mucor mucedo

Mucor racemosus

ganzjährig

ganzjährig

Erdboden, Kompost; Milch, Käse; Tapeten

Saatgut; Gemüse

gelangen durch Atmung in die Luftwege

Neurospora sitophila

ganzjährig

Bäckereien, Laboratorien

Beschäftigte in Bäckereien und Laboratorien

Pullularia pullulans

Juni-August

in der Vegetationszeit in der Luft; auf Obst, Gemüse - praktisch fast überall möglich

Schadwirkung nicht eindeutig

Penicillium-Arten

Juni-September

z.T. ganzjährig

Antibiotikaherstellung, nahezu ubiquitär

möglicherweise Asthma, Ekzeme, Penicillinüberempfind-lichkeit

Ustilago-Arten

Juni-Juli

überall, wo Landwirtschaft betrieben wird

Landwirte

Um die Empfindlichkeit gegenüber Schimmelpilzen herabzusetzen, gibt es ebenfalls verschiedene schulmedizinische und nichtschulmedizinische Therapieverfahren.

Tierhaarallergene

Tiere können massive Allergien auslösen, insbesondere chronische Schnupfenbeschwerden und Asthma. Das allergenste Tier überhaupt sind Ratten. Da wir Ratten selten als Haustiere halten, stellt sich dieses Problem eigentlich selten. Das häufigste praktische Problem ist die Allergie auf Katzen. Die Allergie besteht auf den Speichel, die Katzen speicheln sich ständig ein, daher sind auch die Haare hoch allergisch. Man kann Katzenallergene in jeder Wohnung feststellen, auch wo noch nie eine Katze war. Die Katzenspeichelantigene sind überall verbreitet. Das Problem mit den Katzenallergikern für mich als Arzt ist, daß die Katzenallergiker lieber leiden und schwer krank sind und auch teure Medikamente verbrauchen, als die Katze abzuschaffen. Bei einer massiven Katzenallergie kommt es allerdings auch nicht gleich zur Beschwerdefreiheit, wenn die Katze weg ist, da sich die allergischen Bestandteile der Katze wie der Speichel noch lange in der Wohnung befinden. Mit den Katzen gibt es häufig soziale Probleme. Wenn die Oma eine Katze hat und der Schwiegersohn zu Besuch kommt und rote Augen und einen Asthmaanfall bekommt, schieben das die Schwiegermütter eher auf eine "Schwiegermutterallergie" als auf eine Katzenallergie. Typisch für Katzenallergiker ist immer, daß die Krankheitseinsicht völlig fehlt. Es wird behauptet, die Beschwerden würden von allem möglichen ausgelöst, nur nicht von den Katzen. Ganz ähnlich wie bei Rauchern.

Ein weiteres Tier, welches allergologisch eine große Rolle spielt, sind Pferde. Hier sind es insbesondere die Haare. Viele Patienten reagieren so allergisch auf Pferde, daß sie bereits einen Asthmaanfall bekommen, wenn ihnen jemand entgegenkommt, der kurz zuvor im Stall war. Die Patienten werden empfindlich, wenn sie die Tiere striegeln. Wenn Stoffmasken beim Striegeln aufgesetzt werden, ist das Risiko geringer. Bei Pferdehaarallergien gelingt glücklicherweise die Karenz, das heißt, man kann relativ problemlos den Kontakt zu Pferden meiden.

Weiterhin gibt es Allergien gegen Hunde, Rinder, Goldhamster, Kaninchen und eigentlich auf alle Tiere. Dies spielt allerdings in der Masse keine so große Rolle. Konkrete Allergien auf Katzen, Pferde und Hunde überwiegen bei weitem. Bei Tierhaarallergien ist im allgemeinen eine Behandlung nicht sinnvoll, man sollte die entsprechenden Tiere meiden.