Allergien

Allergische Erkrankungen aller Art sind in der Bevölkerung weit verbreitet, es spricht auch sehr viel dafür, dass die Zahl der allergischen Erkrankungen ständig zunehmen wird.

 

Während im Mittelalter z.B. Heuschnupfen als die Krankheit des Adels galt, sind heute sehr große Bevölkerungsteile von Allergien betroffen, wobei die Schätzungen allgemein stark schwanken. Mindestens jeder dritte Patient dürfte an allergischen Krankheiten leiden. Bei der naturheilkundlichen und homöopathischen Behandlung sind die Unterschiede zwischen Allergie und allergieähnlichen Symptomen relativ unbedeutend, bei der Diagnostik sind sie dagegen sehr wichtig. Beim Allergietest sind echte Allergien relativ gut zu finden, während die pseudoallergischen Reaktionen sich meistens im Allergietest nicht bemerkbar machen.

 

Eine antiallergische Behandlung sollte erst nach eingehender Diagnostik durchgeführt werden. Es gibt heute zahlreiche Testverfahren, die den Patienten praktisch kaum belasten. Eine Behandlung der Allergien kann auch mit Hilfe der Homöopathie durchgeführt werden. Hierbei wird das Immunsystem direkt beeinflusst. Mittels der Medikamente erhält der Patient eine Information, die die allergischen Symptome und die Allergie selbst im Idealfall verschwinden lässt. Die Medikamente können zum Teil selbst angewandt werden, ansonsten muss die Behandlung erfahrenen Therapeuten überlassen werden. Niedere Potenzen kommen eher im

Akutfall zur Anwendung, hohe zur Behandlung außerhalb des Akutfalls zur Beeinflussung der Krankheitsbereitschaft. Die Akutmedikamente können stündlich genommen werden, die Hochpotenzen eher selten, z.T. auch einmalig oder monatlich. Dies hängt vom allergischen Geschehen überhaupt ab. Homöopathie ist eine Reiztherapie, der Patient soll nicht überreizt werden.

 

Bei Verdacht auf Inhalationsallergien muss ein modifizierter Pricktest am Unterarm durchgeführt werden. Zur Testung gibt es fertige Lösungen von verschiedenen Pharmafirmen, die hierzu eingesetzt werden.

 

Es werden verschiedene Allergene (z.B. Gräser, Getreide, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Birke, Erle, Hasel, Beifuß, Sauerampfer, Haustiere etc.) auf den Unterarm aufgetropft und nachher mit einer Pricknadel oberflächlich eingeritzt. Gleichzeitig wird auch hier ein Tröpfchen Kochsalz und Histamin aufgetropft und eingeritzt. Nach 15 bis 20 Minuten kann der Test abgelesen werden. Je nach Rötung in der Umgebung der Tropfen ist der Test positiv oder auch negativ, wobei groß quantifiziert werden kann. Die Reaktion auf Histamin muss positiv sein, die auf Kochsalz negativ, ansonsten ist der Test nicht auswertbar.

 

Nahrungsmittel können gut im Intrakutantest getestet werden. Dazu werden ebenfalls von der Industrie gelieferte fertige Lösungen (z.B. Nüsse, Früchte, Gemüse, Fleisch, Milch, Eier, Mehle) intrakutan in den Rücken gespritzt, so dass eine kleine Quaddel entsteht. Ebenso wird wieder Kochsalz und Histamin injiziert. Am Ausmaß der Rötung lässt sich wieder eine große quantitative Aussage über die allergische Belastung des betreffenden Nahrungsmittels machen.

 

Allergietests sollten grundsätzlich nur von entsprechend erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, da die Deutung im Einzelfall nicht immer ganz einfach ist und jeder Allergietest zu unter Umständen lebensgefährlichen Komplikationen führen kann. Entsprechende Schockmedikamente müssen in jedem Fall vorhanden sein. Bei Schwangeren sollte grundsätzlich kein Allergietest durchgeführt werden, da im Falle einer Komplikation eine Intensivbehandlung notwendig werden kann, die naturgemäß vermieden werden sollte.

 

Es ist inzwischen unbestritten, dass die Allergien ständig zunehmen. Nach neueren Zahlen leiden bereits 25% der Schulkinder an Heuschnupfen. Die Kombination von Luftschadfstoffen mit Allergenen führt zur Verstärkung der allergischen Symptomatik. Die Luftschadstoffe verändern die Proteinoberflächenstruktur von Allergenen. Die humoralen Vorgänge, die bei der Allergieentstehung und Allergieausprägung beteiligt sind, werden ebenfalls beeinflusst. Häufig kommt es durch das über den Großstädten herrschende veränderte Klima mit nächtlichen hohen Bodentemperaturen und häufiger Inversionswetterlage zu abnormal hohen Pollenkonzentrationen. Dadurch ist die Pollendichte vor allem nachts besonders hoch und korreliert mit zeitlichen Maxima der Luftschadstoffe. In luftverschmutzten Gebieten beladen sich die Pollen im Laufe des Tages mit Staubpartikeln, schädlichen Gasen und Salzen und verändern sich daher in ihrer elektromagnetsichen analysierbaren Oberflächenstruktur und ihrem IgE-Bindungsmuster. Die an Luftverschmutzungspartikeln gebundenen Substanzen führen zu einer Aktivierung von Pollen und indizieren indirekt eine Freisetzung veränderter Allergene. Pollen aus luftverschmutzten Gebieten sind um ein vielfaches stärker mit Staub beladen als Pollen aus ländlichen Gebieten. Die Pollen bieten sich als Vehikel für Umweltchemikalien und tragen ihre toxische Fracht auf die Schleimhäute und Atemwege. Umweltgase beeinflussen zusätzlich die zellulären Abläufe durch die Anregung der Makrophagen und andere mononukleären Zellen. Im Tierexperiment wurde die Schwelle für anaphylaktische Immunreaktionen durch SO2 und Ozon signifikant herabgesetzt.

 

Das gleiche gilt für die Schafstoffbelastung durch Nikotin. Auch hier gibt es zahlreiche Studien, die zeigen, dass die Allergiebereitschaft durch Nikotin erheblich gesteigert wird. Dazu gehört auch das Passivrauchen. Wenn Eltern von kleinen Kindern mit Allergien in deren Umgebung rauchen, erfüllt dies meiner Ansicht nach den Tatbestand vorsätzlicher Körperverletzung. Heutzutage kann sich kein Raucher mehr mit der angeblichen "Unschädlichkeit" des Rauchens herausreden. Was man hierzu in der Praxis von den Patienten zu diesem Thema hört, ist zum Teil unglaublich. Demnach rauchen praktisch alle Raucher nur auf dem Balkon und niemals in Anwesenheit des Kindes. Außerdem rauchen sie sowieso fast nicht, nur stinkt merkwürdigerweise die Kleidung ganz erheblich nach Rauch. Man hat oft den Eindruck, dass einen die Patienten hier für dumm verkaufen wollen und den Arzt für unendlich naiv halten. Allergien können durch eine Quecksilberbelastung verstärkt werden, das Immunsystem wird hierbei negativ beeinflusst. Häufig ist die alleinige Therapie einer allergischen Diathese die Amalgamsanierung. Dies insbesondere dann, wenn die Quecksilberwerte im Urin nach DMPS-Belastung sehr hoch sind.

 

Ein weiterer Faktor sind Impfungen. Bei vielen Impfungen wird Eiweiß und Quecksilber als Konservierungsstoff paraenteral zugeführt, was zu massiven allergischen Reaktionen führen kann, zum Teil auch zu Sofort-Reaktionen.

 

Eine Impfung ist eine Beeinflussung des Immunsystems, die unkontrollierbar abläuft. Im Einzelfall weiß man nie genau, wie das Individuum auf die Impfung reagiert.

 

Es sollte daher möglichst auf alle nicht notwendigen Impfungen verzichtet werden.

 

Saisonale Allergien

 

Saisonale Allergien sind dadurch gekennzeichnet, dass die Patienten meistens einen Schnupfen mit einem extremen Niesreiz haben, häufig ein Kribbeln im Hals, rote, zugeschwollene Augen, Juckreiz in den Ohren, z.B. Hustenbeschwerden und beginnende asthmatische

Symptome. Die Beschwerden treten typischerweise bei schönem, sonnigen Wetter mit Wind auf. Unmittelbar vor Regen bzw. vor einem Gewitter kann die Pollenkonzentration in der Luft sogar maximal sein, so dass dann noch während des Regens massive allergische Beschwerden bestehen. Die allergischen Beschwerden sind dosisabhängig. Je größer der Allergenkontakt ist, desto größer werden die Beschwerden. Bei Roggen zum Beispiel reichen bereits 20 Pollen aus, um bei einem sensiblen Individuum eine Symptomatik auszulösen.

 

Die Pollen sind männliche Gametophyten (Samenzellen) von verschiedenen windbestäubenden Pflanzen. Um zum Allergen zu werden, sind verschiedene Voraussetzungen erforderlich, insbesondere brauchen die Pollen eine gewisse Größe, um weit zu fliegen. Pollen, die zu groß sind, fallen praktisch direkt zu Boden, und haben damit kaum eine Chance, allergische Beschwerden auszulösen. Die Hauptbelastung geht zunächst von den so genannten früh blühenden Pflanzen aus, dies sind Hasel, Erle und Birke. Die typische Symptomatik tritt von Februar bis April auf. Meistens kombiniert mit einer Frühblüherallergie ist auch eine Nahrungsmittelallergie, wobei Birkenallergiker auf Äpfel allergisch sind und Haselallergiker auch auf die Haselnuss. Die meisten Beschwerden werden durch Gräser und Roggen ausgelöst, aber auch durch Weizen, Hafer und Gerste. Die typische Symptomatik dauert von Mai bis Juli. Es verläuft nicht jede Allergensaison gleich, dies hängt insbesondere von der Wetterlage ab. Auch kann je nach Wetterlage eine zeitliche Verschiebung der Symptome eintreten. In der Arztpraxis ist man fast noch besser informiert als die Pollenwarnvorhersage, da die Patienten gehäuft kommen. Bei entsprechender Wetterlage kommen gleichzeitig 30 Birkenallergiker, was dann die Behandlung etwas vereinfacht. Kräuter wie Beifuß und Sauerampfer spielen nur eine geringere Rolle, da die Pollen nicht so weit fliegen. Allerdings muss bedacht werden, dass Beifußallergiker fast immer auch auf Kamille allergisch sind, was bei einer Inhalationsbehandlung berücksichtigt werden muss.

 

Insbesondere die häufig angeschuldigte Linde ist allergologisch relativ unbedeutend, da die Pollen viel zu schwer sind und gleich zu Boden fallen.

 

Die homöopathische Behandlung im einzelnen:

Symptomfreies Stadium

 

In der klassischen Homöopathie ist es eigentlich nicht üblich, im symptomfreien Stadium zu behandeln.

 

Allerdings hat sich bei mir und bei vielen anderen Ärzten doch eine prophylaktische homöopathische Behandlung bewährt. Routinemäßig führe ich eine Behandlung mit Injektionen von Acidum formicicum D200 (DHU) durch.

 

Es werden 3 Injektionen im Abstand von zwei Wochen verabreicht, so dass die Behandlung etwa zwei bis vier Wochen vor der erwarteten Symptomatik beendet ist. Konkret heißt dies, dass ich bei Frühblüherallergien Ende Dezember und bei Gräser-/Getreideallergien Mitte März mit dieser Behandlung beginne. Ist eine antibiotische Behandlung, aus welchen Gründen auch immer, in dem Jahr vorausgegangen, gebe ich für vier Wochen Okoubaka D3 (3x5 Tropfen tgl.). Ansonsten verabreiche ich gelegentlich zusätzlich im symptomfreien Stadium, natürlich im Abstand von mindestens vier Wochen zu den Injektionen, ein Konstitutionsmittel als eine D200. Häufig angezeigt sind hierbei Lycopodium, Lachesis, Natrium muriaticum oder Arsenicum album. Sehr oft ist außerdem die Einmalgabe von Tuberkulinum D200 bei Allergien aller Art geeignet.

 

Symptomatisches Stadium

 

Sind die allergischen Symptome bereits vorhanden, sollte zunächst eine weitgehende Allergenkarenz versucht werden.

 

Eine vollständige Allergenkarenz ist in der Regel nicht möglich und eigentlich auch nicht sinnvoll, da bei einer gleichzeitigen homöopathischen Behandlung die restlichen Symptome meistens relativ gering sind. Die Schlafzimmerfenster sollten nachts geschlossen bleiben, da die Pollen gegen morgens 4 Uhr reichlich fliegen. Duschen und Baden ist abends günstiger als morgens, damit man ohne Pollen ins Bett geht, außerdem müssen die Haare abends gewaschen werden. Kleidung sollte außerhalb des Schlafzimmers abgelegt werden. Bei besonders schönem Wetter sollten Wiesen gemieden werden, der Wochenendausflug in den Wald ist günstiger. Bei einer sehr starken Symptomatik bleiben Autofenster während der Fahrt über Land weitgehend geschlossen.

 

Ansonsten sollten Zivilisationsgifte soweit wie möglich gemieden werden. Insbesondere bei Getreideallergikern sollte auf Bier- auch alkoholfreies – verzichtet werden, am besten wird das Trinken von Alkohol völlig unterlassen. Frühblüherallergiker dürfen kein Kernobst, insbesondere keine Äpfel sowie Nüsse aller Art essen.

 

Bei einer entsprechenden Nahrungsmittelallergie sollten, soweit dies möglich ist, entsprechende Allergene gemieden werden, um nicht zusätzlich eine Summation von verschiedenen Allergenen zu fördern.

 

Die homöopathischen Arzneien, die während des Heuschnupfens eingenommen werden, müssen stets individuell dosiert werden. Die Dosierung hängt insbesondere auch von der Wetterlage ab. Eine Selbstbehandlung ist mit diesen Mitteln durchaus möglich. Es gibt keine Risiken dabei. Sollten sie nicht helfen, sollte ein Arzt konsultiert werden.

 

Das Hauptmittel ist Euphrasia D2. Die meisten Patienten mit Frühblüherallergie und noch mehr mit Gräser-/Getreideallergie leiden unter geröteten Augen, die sehr stark jucken. In diesem Fall gebe ich jede Stunde 5 Globuli Euphrasia D2, außerdem Euphrasia-Augentropfen (WALA). Findet sich wässriges Sekret mit sehr starkem Niesreiz, verordne ich Allium cepa D6, ebenfalls, wenn nötig, stündlich 5 Globuli.

 

Bei sehr starkem Juckreiz im Hals ohne sonstige Symptomatik wird Wyethia D6, ggf. auch stündlich, verordnet. Meistens ist mit dem Juckreiz im Hals auch ein starker Juckreiz in den Ohren verbunden, wobei das gleiche Mittel gegeben wird. Ist der Patient relativ blass, der Naseneingang gerötet und besteht ein sehr starker Niesreiz, gebe ich Arsenicum album D12, eventuell stündlich 5 Globuli. Steht die Hustensymptomatik im Vordergrund, gebe ich Kalium phosphoricum D6, ggf. stündlich. Geht der Heuhusten schon mehr in Heuasthma über, hilft Jodum D12 Globuli, ggf. stündlich 5 Globuli. Bei mehr unspezifischer Symptomatik verordne ich Galphimia glauca D4, eventuell stündlich 10 Globuli. Steht ein Juckreiz in der Nase und in den Augen im Vordergrund, so sind gelegentlich Gaben von Histaminchlorid D12 (2 x tgl.) sinnvoll.

 

Mit Antihistaminika sollte man vorsichtig umgehen. Wenn man jährlich die Beipackzettel dieser Medikamente betrachtet, so werden sie immer länger. Nur neue Antihistaminika werden angepriesen mit dem Argument "keine Nebenwirkungen". So war es auch mit Teldane® Anfang der achtziger Jahre, was jetzt kurz vor dem Verbot steht. Terfenadin macht unter Umständen erhebliche Herzrhythmusstörungen, insbesondere bei der kombinierten Gabe mit

Erythromycin. Flexotendin kann noch nicht beurteilt werden, da es zu kurz auf dem Markt ist.

 

Häufig entwickelt sich durch die allergische Belastung eine chronische Sinusitis. Durch die Sinusitis wird andererseits wieder die Allergie schlimmer. Es fällt häufig auf, dass die Beschwerden mit Ende der Blütezeit persistieren. In diesem Fall ist eine Sinusitistherapie dringend erforderlich.

 

Haustaubmilben- und Schimmelpilzallergien

 

Klassischerweise werden bei derartigen Allergien Karenzmaßnahmen empfohlen. Allerdings sollte beachtet werden, dass Karenzmaßnamen eigentlich keine Therapie darstellen, sondern eher die Kapitulation vor der Krankheit. Karenzmaßnahmen können zwar zwischenzeitlich erforderlich sein, dürfen aber nicht zum Dauerzustand werden. Homöopathisch sind die perennialen Allergien recht gut zu behandeln.

 

Als Anfangsmittel wird Tuberkulinum D200 einmalig verabreicht. Langfristig wird bei Milbenallergie mit Kalium arsenicosum D12 (2x5 Globuli tgl.) begonnen für drei Monate, dann in Abhängigkeit vom Krankheitsbild fortgesetzt mit Kalium arsenicosum D30 (5 Globuli pro Woche), anschließend Sabadilla D30 (5 Globuli pro Woche).

 

Bei der Milbenallergie ist es wichtig, dem Patienten die Zusammenhänge zu erklären, wann mit einer verstärkten Symptomatik zu rechnen ist und wann nicht. Milben finden sich zwar mehr im Sommer als im Winter, dennoch ist im Winter die Symptomatik wesentlich ausgeprägter. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Patienten mehr im Haus aufhalten, außerdem wird durch die Heizung die Luft und damit auch der Milbenkot im Zimmer herumgewirbelt, wodurch die Exposition verstärkt ist.

 

Bei Schimmelpilzallergikern ist häufig zu beobachten, dass sie in Häusern mit massivem Pilzbefall wohnen. Zunächst ist insbesondere das Schlafzimmer genau auf Schimmelpilzbefall zu untersuchen. Hierzu sind alle Schränke vorzuziehen, um die Schrankhinterwand zu betrachten. Häufig finden sich die Pilze auch unter den Betten oder unter dem Teppich, sie verstecken sich regelrecht. Bei ganz massivem Schimmelbefall finden sich die Schimmelpilze als schwarze Stellen in oberen Zimmerecken. Schimmelpilzallergiker sollten keine Pflanzen im Schlafzimmer haben, da sich auf Pflanzen immer Schimmelpilze befinden, insbesondere in der Erde. Gelegentlich findet sich auch Schimmel in Büchern, ein befallenes Buch im Schlafzimmer kann bereits erhebliche Krankheitserscheinungen auslösen. Ein Schimmelpilzallergiker darf keinesfalls Schimmelkäse essen, dieser sollte sich auch nicht in der Wohnung des Betreffenden befinden. Häufig befallen sind auch Innenbäder und Luftabzugsschächte, besonders in Plattenbauten. Dies ist für die Prognose eines Schimmelpilzallergikers äußerst schlecht. Schimmelpilze müssen unbedingt fachmännisch beseitigt werden. Das einfache

Übertünchen mit (womöglich giftiger) Farbe reicht nicht aus. Es muss häufig ein Teil der Wand entfernt werden, danach wird neu zugegipst. Ein Fachmann sollte begutachten, warum der Schimmel aufgetreten ist. Häufig handelt es sich um Baumängel (Kältebrücken), für die die Architekten haftbar gemacht werden können. Auffallend ist bei Schimmelpilzallergikern, dass es ihnen nach zwei Wochen außerhalb ihrer eigenen Wohnung erheblich besser geht.

 

Bei Milben- und Schimmelpilzallergikern ist ein Aufenthalt im Hochgebirge über 1500 m günstig, da in diesem Milieu praktisch keine Milben mehr existieren können. Ebenfalls gut ist der Aufenthalt auf Inseln, insbesondere im Atlantik und in der Nordsee.

 

Durch die Milbenbelastung entsteht häufig eine chronische Sinusitis, durch die Sinusitis wird die Allergie schlimmer und umgekehrt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist oft zunächst eine Sinusitisbehandlung erforderlich, hier ist aber eine Selbstbehandlung nicht sinnvoll.

 

Tierhaarallergie

 

Hier können gelegentlich relativ einfach Karenzmaßnahmen durchgeführt werden, so dass sich eine homöopathische Behandlung nicht lohnt. Bei der Pferdehaarallergie ist zu beachten, dass diese häufig durch eine Rosshaarmatratze im Bett hervorgerufen wird. In diesem Fall sollte die Rosshaarmatratze ausgetauscht werden. Allergien gegen Meerschweinchen sind meistens extrem stark, auch hier muss das Tier abgegeben werden. Ähnliches gilt für Allergien gegen Wellensittiche. Hundeallergien sind glücklicherweise meistens eher schwächer, so dass es häufig reicht, wenn der Hund sich nicht im Haus aufhält. Katzenallergien sind sehr problematisch, da die Besitzer praktisch nie bereit sind, ihre Tiere abzugeben. Es ist wesentlich leichter, einem Raucher das Rauchen abzugewöhnen als einem Katzenallergiker die Katze wegzunehmen. Als Notlösung bietet es sich an, die Katzen einmal wöchentlich abzuduschen. Das Allergen sitzt im Speichel, die Katzen schlecken sich ständig ab. Durch diese Maßnahme kann das Allergen etwa um 90% reduziert werden. Das Abduschen geht allerdings nur mit Gewalt, die Katzen wehren sich massiv. Hier muss entsprechend symptomatisch behandelt werden. Falls möglich, sollten wenigstens temporäre Karenzmaßnahmen, z.B. im Urlaub, eingehalten werden. Es ist generell auch zu beachten, dass Patienten mit Milbenallergien keine Tiere halten sollten. Das Hauptmittel für Katzenallergien ist Pulsatilla. Hier gibt man Pulsatilla LM VI (3 Globuli vor dem Frühstück) ebenfalls über Monate. Die LM-Potenz ist günstig, da sie täglich wiederholt gegeben wird und gleichzeitig damit akut als auch als Hochpotenz langfristig chronisch wirkt.

 

Das Hauptmittel bei Pferdeallergien ist Lachesis. Da die Behandlung länger andauert, kommt eine Therapie mit Lachesis LM VI (3 Globuli vor dem Frühstück) in Frage.

 

Ich erlebe häufig in der Praxis, dass Eltern mit Kindern kommen mit dem Wunsch nach einer Allergietestung auf Haustiere. Ist diese Testung dann negativ, freuen sich die Kinder sehr. Das Haustier kann angeblich bedenkenlos angeschafft werden. Dies ist aber nicht so.

 

Ist z.B. bei einem Kind bereits eine Milbenallergie nachgewiesen und wünschen sich die Kinder unbedingt ein Haustier, ist streng davon abzuraten, meistens treten doch sehr starke allergische Probleme auf.

 

Außerdem sagt ein negativer Allergietest bei Haustieren überhaupt nichts aus. Die Allergie entwickelt sich erst, wenn sich die Tiere im Haus befinden, nicht vorher.

 

Nahrungsmittelallergie

 

Nahrungsmittelallergien sind insgesamt sehr häufig, die Bedeutung wird in der klassischen Medizin völlig verkannt.

 

Laien und auch Ärzte wissen manchmal nur von Ausschlägen als Symptomen. Natürlich äußern sich Nahrungsmittelallergien oft als Ekzeme oder Ausschläge, sehr häufig aber auch im HNO-Bereich. Durch eine chronische Darmerkrankung, die sich meistens nur in relativ geringen Symptomen äußert, nämlich mit Blähungen und Durchfall, was den Patienten wenig stört, kann eine chronische Nebenhöhlenentzündung unterhalten werden. Ebenso kann eine chronische Tonsillitis Hinweis auf eine Milchallergie sein, auch asthmatische Beschwerden werden sehr oft durch Nahrungsmittelallergen unterhalten. Nicht zu vergessen sind zahlreiche psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, die mit einer derartigen Allergie zusammenhängen können. Eine Nahrungsmittelkarenz ist häufig nicht möglich, da zu viele verschiedene Allergene zusammenkommen. Liegt eine isolierte Nussallergie vor, ist eine Nahrungsmittelkarenz natürlich kein Problem. Häufig sind die Patienten aber allergisch gegen Milch, Eier, Nüsse, Früchte, Obst, Fleisch und Mehle.

 

In diesem Fall muss überlegt werden, was gezielt verboten wird und was nicht. Am ehesten empfiehlt sich Milch, da bei einer Milchkarenz die anderen Allergien verschwinden können. Häufig ist es günstig, die Kuhmilch durch Schafsmilch oder Ziegenmilch zu ersetzen, weil hier eine geringere Allergenbereitschaft besteht. Auf dem Land ist es meistens kein Problem, Ziegenmilch zu bekommen, in der Stadt allerdings ist es schwieriger (evtl. im Bioladen).

 

Mit einer homöopathischen Behandlung kann eine Nahrungsmittelallergie sehr günstig beeinflusst werden. Mittel der Wahl ist Okoubaka.

 

Ich verordne im Regelfall für ca. 6 Wochen Okoubaka D3 (3x5 Globuli tgl.), anschließend Okoubaka D4 (3x5 Globuli tgl.), dann für 3 Monate Okoubaka D6 Globuli (3x5 Globuli tgl.), darauffolgend für 3 Monate Okoubaka D12 (2x5 Globuli tgl.) und zuletzt für ein halbes Jahr Okoubaka D30 (5 Globuli sonntags vor dem Frühstück).

 

Bereits während der Behandlung können die Patienten häufig die zunächst verbotenen Nahrungsmittel wieder zu sich nehmen. Speziell bei der Milchallergie hat sich eine Behandlung mit Aethusa cynapium D4 (3x5 Globuli tgl.) für 4 Wochen, anschließend Aethusa cynapium D6 (3x5 Globuli tgl.), dann Aethusa cynapium D12 (2x5 Globuli tgl. für 6 Wochen) und zum Schluss Aethusa cynapium D30 für 6 Monate (5 Globuli sonntags vor dem Frühstück). Nach der Behandlung kann wieder versucht werden, Milch zu trinken. Bei Symptomfreiheit kann davon ausgegangen werden, dass die Milchallergie geheilt ist, ansonsten muss weiterhin eine Milchkarenz durchgeführt werden. Auch bei der Nahrungsmittelallergie sind Zwischengaben von Tuberkulinum D200 günstig.

 

Nickelallergie

Ich möchte an dieser Stelle auf die Behandlung der Nickelallergie besonders hinweisen, da sie homöopathisch relativ einfach ist. Natürlich kann eine Nickelkarenz zur Symptomfreiheit beitragen. Häufig wollen aber die Patientinnen Modeschmuck tragen. Da die Behandlung relativ einfach ist, ist dagegen dann auch nichts einzuwenden. Ich verordne in dem Fall für ca. 6 Wochen Arsenicum jodatum D12 (2x5 Globuli tgl.), anschließend Arsenicum jodatum D30 (5 Globuli sonntags vor dem Frühstück) für 6 Monate. Die Behandlung ist insbesondere auch dann angezeigt, wenn sich im Zahnfüllmaterial Nickel befindet und dadurch Lokalsymptome ausgelöst werden. Arsenicum jodatum ist auch das Hauptmittel bei Zahnmetallallergie. Ein Therapieversuch ist immer sinnvoll.

 

Neurodermitis

 

Hautärzte verordnen meist kortisonhaltige Salben, alternativ auch Teersalben oder Bufexamac, Tacrolismus oder Picrolismus. Die "Erfolge" durch die Kortisonbehandlung sind oft sehr schlecht, so dass die Patienten reihenweise homöopathische Ärzte und auch Heilpraktiker aufsuchen. Die Erfolge durch eine homöopathische Behandlung und durch andere Naturheilverfahren sind wesentlich besser. Erfahrungsgemäß ist ein endogenes Ekzem bei Kindern sehr häufig durch eine Milcheiweißallergie verursacht. Wird das Kleinkind noch gestillt, sollte die Mutter zunächst einmal versuchsweise keine Milch trinken. In einem Großteil der Fälle bessert sich das Ekzem bereits daraufhin.

 

Ein Hinweis auf eine Kuhmilchallergie ist ein Ekzem im Beugebereich der Ellbogen, auf die Weizenallergie weist ein Ekzem an der Streckseite hin.

 

Bei nicht mehr gestillten Kindern sollte ebenfalls Milch verboten werden, auch hier tritt häufig bereits eine Besserung auf. Ein endogenes Ekzem entsteht meistens aus mehreren Gründen: es gehört dazu die erbliche Belastung, eine eventuelle Allergie, eine Quecksilberbelastung durch Amalgamplomben (auch der Mutter!), psychische Einflüsse und Umwelteinflüsse. Häufig reicht es aus, zwei dieser Faktoren zu beseitigen, um das Ekzem zum Verschwinden zu bringen. Glücklicherweise ist es in der Medizin ja nicht immer so, dass alle Ursachen beseitigt werden müssen. Die Amalgamsanierung scheint eine sehr große Rolle zu spielen.

 

Impfungen verschlechtern oft die Neurodermitis. Die Indikation zur Impfung muss noch strenger gestellt werden als bei gesunden Kindern.

 

Das Hauptmittel ist Okoubaka D3 (3x5 Globuli tgl.). Später werden dann höhere Potenzen verabreicht.

 

Insgesamt ist das endogene Ekzem recht dankbar zu behandeln. Dreißig bis vierzig Prozent der Kinder bzw. Erwachsenen sprechen sehr gut auf Okoubaka an. Sollte innerhalb von sechs Wochen mit Okoubaka kein Therapiefortschritt auftreten, kommen andere homöopathische Mittel in Betracht. Optimal ist eine konstitutionelle Behandlung nach eigener klassischer Repertorisation. Im folgenden sollen einige Hinweise gegeben werden. Die Behandlung sollte von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.

 

Ein wesentliches Mittel, insbesondere bei Kindern, ist Calcium carbonicum. Diese Kinder leiden auch an großen Tonsillen, vergrößerten Halslymphknoten und einem Lymphatismus. Sie sind meist sehr lieb und nett, aber sie haben sehr oft Krankheiten der oberen Luftwege. Gleichzeitig verbunden sind Ekzeme insbesondere im Ellbogen- und Kniebereich. Die Calcium carbonicum-Kinder sind meistens relativ dick. Es besteht ein ausgeprägtes Verlangen nach Süßem.

 

Natrium muriaticum-Patienten fallen dadurch auf, dass sie sehr leise reden und sich im allgemeinen sehr zurückziehen. Die Kinder verstecken sich vor den Eltern. Das Ekzem ist meist im Nacken, aber auch an sonstigen Körperstellen. Das Maximum der Beschwerden ist mittags, weniger nachts. Am Meer (Nordsee) werden die Beschwerden auffallend besser. Die Patienten haben ein ausgeprägtes Salzverlangen.

 

Die Lycopodium-Patienten haben ihr Ekzem ebenfalls im Nacken, sind im allgemeinen sehr dominierend, leicht aufbrausend, relativ dick und sind nicht sehr gesundheitsbewusst. Sie fallen durch ihre gute Kleidung auf, Kinder sind im allgemeinen etwas altklug und wirken älter als sie tatsächlich sind. Es gibt kein typisches Lycopodium-Ekzem, entscheidend ist die allgemeine Konstitution.

 

Das Lachesis-Ekzem ist eher dunkelrot, tritt meist linksseitig auf, der Juckreiz besteht maximal am Morgen direkt nach dem Aufwachen. Die Patienten können nichts Enges am Körper vertragen. Es besteht eine ausgeprägte Wärmeüberempfindlichkeit.

 

 

Die Dosierung und Potenz der homöopathischen Mittel ist in diesem Fall sehr unterschiedlich. Man gibt am Anfang meistens eher die D6 bzw. D12, häufige LM-Potenzen. Ganz feste Regeln gibt es hierzu nicht.

 

Asthma bronchiale

Die inhalative Behandlung ist weitaus besser verträglich als die frühere orale. Wenn man versucht, einen Patienten mit Asthma bronchiale homöopathisch zu behandeln, sollte keinesfalls schlagartig die schulmedizinische Medikation abgesetzt werden. Dies kann zu einem Status asthmaticus führen, der äußerst problematisch ist.

 

Sehr viele Patienten haben als Basismedikation Steroidspray und cromoglicinsäurehaltige Sprays. Hierbei ist es wichtig, dass den Patienten genau erklärt wird, wie sie die Sprays anwenden müssen. Am besten gelingt das in einem Gespräch mit mehreren Patienten gleichzeitig, den so genannten Asthmatikerschulungen. Jeder Asthmatiker sollte mindestens einmal eine solche Schulung mitmachen. Inzwischen werden derartige Schulungen von verschiedenen Krankenkassen bezahlt.

 

Den Patienten ist insbesondere klarzumachen, dass eine kritische Situation entsteht, wenn sie trotz der häufigen Anwendungen β2-Mimetikasprays weiter schlecht Luft bekommen. Dies ist ein eindeutiges Zeichen für einen Status asthmaticus, der eine sofortige ärztliche Intervention erforderlich macht.

 

Auch Asthma lässt sich gut homöopathisch behandeln, z.T. sogar allein oder begleitend zu einer schulmedizinischen Medikation. Dies ist aber immer erfahrenen Ärzten überlassen. Keine Selbstbehandlung.

 

Häufig sind Konstitutionsmittel zu geben. Ein Hinweis auf das Konstitutionsmittel bildet die Uhrzeit, wann die Anfälle typischerweise auftreten.

 

Heuschnupfen

Vor erwarteter Symptomatik                           Acidum formicicum D200 i.v.

Augensymptomatik                                          Euphrasia D2 Globuli

Starker Niesreiz                                              Allium cepa D6 Globuli

Starker Juckreiz im Hals                                  Wyethia D6 Globuli

Heuhusten                                                       Kalium phosphoricum D6 Globuli

Heuasthma                                                      Jodum D12 Globuli

Allgemein                                                        Galphimia glauca D4 Globuli

 

Hausstaub-Milbenallergie

Tuberkulinum D200 Globuli

Kalium arsenicosum D12 Globuli

Sabadilla D30 Globuli

 

Milchallergie

Aethusa cynapium D4 Globuli in aufsteigenden Potenzen


Neurodermitis

Nahrungsmittelallergie                          Okoubaka D3 Globuli

Große Tonsillen, Lymphatismus                       Calcium carbonicum LM VI Globuli

in Verbindung mit

Beschwerdenmaximum mittags             Natrium muriaticum LM VI Globuli

dominant, aufbrausend, altklug             Lycopodium D6 Globuli

dunkelrot, linksseitig,

maximale Beschwerden morgens                     Lachesis D12 Globuli

Kälteunverträglichkeit,

Trockenheit der Haut, Wärmeem-

pfindlichkeit, Haut stinkt                                  Sulfur D6 Globuli

Risse an der Haut, insbesondere an

Fingern und Zehen                                           Acidum nitricum D12 Globuli

Ekzem an der Handinnenseite              Acidum carbolicum D12 Globuli

Urticaria, Pyodermie, Lymphatismus    Mercurius solubilis D12 Globuli 

Ausgeprägter nächtlicher Juckreiz                    Rhus toxicodendron D6 Globuli

Eitrige Pusteln, superinfiziert, schmerzhaft         Dulcamara D6 Globuli

 

Literatur:

1. Eissele, M., Friese, K.-H., Notter, G., Schlumpberger, A.: Homöopathie für die

    Kitteltasche. Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart 2004

2. Friese, K.-H.: Homöopathie in der HNO-Heilkunde. Hippokrates Verlag Stuttgart 2005

3. Friese, K.-H.: Handbuch der Heuschnupfentherapie. Sonntag-Verlag 2000