Amalgam

 

Krankheiten, die durch Amalgam ausgelöst werden können:

Sehr häufig werden durch Amalgam Kopfschmerzen ausgelöst, insbesondere auch hartnäckige Migräne. Es tritt ein chronisches Müdigkeitssyndrom auf, man fühlt sich schlapp. Manche Patienten klagen über Metallgeschmack im Mund, sie spüren zum Teil ihre Mundströme. Es treten gesteigerte Infekte auf mit häufigen Mandelentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Anginen. Allergien werden verstärkt, insbesondere der Heuschnupfen und die Nahrungsmittelallergien. Weiterhin finden sich häufig Hautausschläge, besonders um den Mund herum, häufig in Form einer Akne im Unterkieferbereich, auch eine Neurodermitis kann durch Amalgam mitbedingt sein. Ebenso kann sich eine Schuppenflechte durch eine Amalgambelastung verstärken. Sehr häufig tritt Asthma durch Amalgam auf. Rheumatische Erkrankungen können durch Amalgam ausgelöst werden. Bei neurologischen Erkrankungen, insbesondere bei der multiplen Sklerose, ist nach moderner Forschung häufig ein Zusammenhang mit dem Amalgam sehr wahrscheinlich. Bei nicht erfülltem Kinderwunsch kann eine Amalgamvergiftung ursächlich sein.

Wer ist durch Amalgam besonders gefährdet?

Eine Quecksilbervergiftung betrifft oft Kinder und Frauen. Ältere Menschen sind im allgemeinen weniger empfindlich als junge Menschen. Patienten, die ohnehin eine angegriffenes Immunsystem haben, sind besonders gefährdet. Wer häufig mit den Zähnen knirscht, Kaugummi kaut oder sehr oft heiße Getränke zu sich nimmt, wird mehr mit Quecksilber belastet, da die Quecksilberdampfbildung im Mund dadurch angeregt wird. Außerdem sind Menschen mit Zink- und Selenmangel sehr stark gefährdet.

Was ist Amalgam?

Amalgam ist eine Mischung aus 50 % Quecksilber und 50 % Legierungspulver, welches neben Quecksilber noch Silber, Kupfer, Zinn, Zink und in Spuren noch andere Metalle enthält.

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Einfache Blut- und Urinuntersuchungen führen nicht weiter. Im Blut ist das Amalgam nur direkt nach dem Einsetzen oder Ausbohren von Amalgam nachweisbar, danach wird es in den Organen, insbesondere in der Leber und Niere abgelagert. Quecksilber wird natürlicherweise kaum ausgeschieden. Bis jetzt ist nicht bekannt, daß Quecksilber zu irgendeinem Prozeß im Körper benötigt würde. Wir sind also auf die Ausscheidung von Quecksilber nicht vorbereitet. Daher findet man Amalgam auch bei schwer belasteten Patienten nur in Spuren im Urin. Daher ist ein Provokationstest erforderlich. Hierzu hat sich der Komplexbildner DMPS

(2,3-Dimercapto-1-propansolfonsäure), der intravenös injiziert wird, sehr bewährt. Durch die Injektion von DMPS wird Schwermetall hauptsächlich aus der Leber und Niere herausgelöst, und man kann nach einer halben Stunde diese Metalle im Urin nachweisen. Die Injektion von DMPS ist günstiger als die orale Einnahme (Dimaval®), da Dimaval ® nur zwischen 10 und 30 % im Darm aufgenommen wird und die Untersuchungsergebnisse nicht vergleichbar sind. Ein Quecksilberwert von über 50 µg/g Kreatinin ist immer pathologisch. Ein niederer Wert muß aber nicht unbedingt bedeuten, daß keine Quecksilberbelastung vorliegt. Bei starken Zink- und Kupferbelastungen ist manchmal kein DMPS mehr für das Quecksilber übrig. Bei neurologischen Erkrankungen, z.B. bei der multiplen Sklerose, ist der Quecksilberwert extrem niedrig, da sich hier das Quecksilber im Hirn befindet und das DMPS dieses nicht erreicht.

Mittels Speicheltest kann ebenfalls eine Quecksilberbelastung nachgewiesen werden. Hierbei wird der Quecksilbergehalt im Speichel vor und nach dem Kauen von Kaugummi gemessen. Aus den Meßwerten kann auf eine Quecksilbervergiftung geschlossen werden. Zusätzlich gibt der Speicheltest einen Hinweis auf die Qualität der Plomben.

Mit einer Haaranalyse kann man auch eine Quecksilberbelastung nachweisen. Allerdings ist das Quecksilber häufig sehr unterschiedlich in den Haaren verteilt, so daß dieser Test schwer zu bewerten ist.

Mittels eines Epikutantestes kann die allergische Belastung festgestellt werden. Dabei werden auf den Rücken Pflaster mit Amalgam, verschiedenen Quecksilberverbindungen, anderen Zahnfüllungen wie Palladium usw. und sonstigen Chemikalien aufgeklebt. Nach einigen Tagen kann aufgrund einer Rötung der Haut eine Amalgambelastung allergischer Art festgestellt werden. Der Test ist sehr aufwendig und dauert insgesamt 5 Tage.

Es gibt auch einen Bluttest, mit dem eine Allergie festgestellt werden kann. Es handelt sich um den Lymphozytentransformationstest LTT, auch MELISA genannt. Der Test ist labortechnisch sehr aufwendig und teuer, außerdem sollte man sich auf die Ergebnisse alleine nicht verlassen. Er kommt unter Umständen in Frage, wenn durch einen Epikutantest eine Quecksilberallergie nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

Inwieweit Mundströme auftreten, kann mit speziellen Geräten nachgewiesen werden. Mundströme finden sich immer, wenn verschiedene Metalle im Mund vom Zahnarzt verwendet werden. Diese Ströme können zum Teil so stark sein, daß damit im Extremfall eine kleine Taschenlampenbatterie betrieben werden kann. Ströme über 5 µA machen häufig krank.

Mit Hilfe der Elektroakupunktur nach Voll kann ebenfalls eine Amalgambelastung oder auch die Belastung durch andere zahnärztliche Materialien nachgewiesen werden. Die Testung ist allerdings recht aufwendig, aber in der Hand eines geübten Fachmannes relativ sicher.

Auch mit Kinesiologie kann unter Umständen der Nachweis einer Belastung durch Amalgam gelingen. Der Test ist allerdings relativ grob und nicht als sehr sicher zu bezeichnen.

Therapie

Wenn Krankheitssymptome bestehen und eine Quecksilberbelastung allergischer oder toxischer Art nachgewiesen ist, sollte dringend Amalgam entfernt werden. Dies geschieht am besten quadrantenweise. Um die Belastung durch das Herausbohren zu minimieren, sollte möglichst ein Tuch in den Mund eingelegt werden, ein sogenannter Kofferdam. Es darf auch nur ein langsamer Bohrer benutzt werden, da durch den schnellen Bohrer vermehrt Quecksilberdämpfe entstehen, die eine erhebliche Belastung auslösen. Nach der Amalgamsanierung ist Frischluftzufuhr sinnvoll. Das Amalgam sollte durch Provisorien (Zement) für ein Jahr ersetzt werden. Der Zahnarzt kann nicht sämtliches Amalgam im Zahnwurzelbereich entfernen und durch den Zement wird das restliche Quecksilber aus der Umgebung herausgesaugt und die Belastung weiter vermindert. Gleichzeitig mit der Amalgamsanierung sollte niedrig dosiertes Selen (z.B. Selenokehl®) verordnet werden, um die Selenzufuhr etwas zu verbessern. Hochdosiertes Selen sollte vermieden werden, da Selen und Quecksilber eine Verbindung eingehen, das Quecksilberselenid, welches zwar relativ ungiftig ist, aber nur schwer wieder aus dem Körper ausgeschieden wird. Bei Zinkmangel ist unbedingt die Gabe von Zink erforderlich. Zusätzlich ist Vitamin C sinnvoll.

Nach einem Jahr sollte die endgültige Versorgung erfolgen, am besten mit hochgoldhaltigen Füllungen oder Keramik. Kunststoff ist weniger geeignet, da Kunststoff in den Dentinkanälchen wandern kann und dort nach Jahren Entzündungen auslöst. Außerdem braucht man für Kunststoff relativ viel Formaldehyd, welches sich in den Klebern befindet, um ihn zu befestigen. Bei Gold muß darauf geachtet werden, daß kein Palladium enthalten ist.

Ausleitung des Quecksilbers

Nach kompletter Amalgamentfernung kann begonnen werden, das noch vorhandene Quecksilber im Körper auszuleiten. Die Ablagerungen in Leber, Niere und Hirn sind ja auch nach Amalgamsanierung noch da. Die einzige Methode, bei der nachgewiesen werden kann, daß Amalgam den Körper verläßt, ist die Gabe von DMPS. Wie bei der obigen Diagnostik wird DMPS injiziert. Dabei kann gemessen werden, wie stark die Quecksilberbelastung des Körpers ist. Die Injektionen werden alle drei Monate wiederholt, bis der Quecksilberwert unter

50 µg/g Kreatinin ist.

Zusätzlich ist auch eine Ausleitung mittels homöopathischer Mittel möglich. Die Gabe des homöopathischen Mittels hängt von den individuellen Symptomen ab. Gelegentlich kann auch eine homöopathische Ausleitungstherapie mit Okoubaka D3 ( 3x5 Globuli tgl.) durchgeführt werden. Hierbei ist im Regelfall Quecksilber (Mercurius solubilis) nicht angezeigt.

Akupunktur und Ohrakupunktur

Nach einer Amalgamsanierung ist die Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts mittels Akupunktur und/oder Ohrakupunktur möglich. Diese Therapie ist individuell und kann keinesfalls standardmäßig durchgeführt werden. Es gibt also keinen bestimmten Punkt, der routinemäßig nach der Amalgamsanierung gestochen werden sollte. Früher war in der traditionellen chinesischen Medizin Amalgam kein Problem, da es dieses noch nicht gab. Von verschiedenen Schulen wurden unterschiedliche Verfahren ausprobiert. Einzelheiten würden an dieser Stelle aber zu weit führen.

Bioresonanz

Die Anhänger der Bioresonanz meinen, eine Amalgamausleitung vollständig durchführen zu können. Diese Behauptung ist allerdings unbewiesen.

Ernährungstherapie

Durch verschiedene Fasten- und Säftekuren soll die Ausleitung von Giften im Körper beschleunigt werden. Insbesondere durch einen reichlichen Flüssigkeitskonsum wird die Diurese allgemein gefördert. Dieses Konzept ist theoretisch gut erklärt und leicht nachzuvollziehen. Wenn es dem Patienten danach besser geht, ist von einer gewissen Entgiftung auszugehen. In diesem Fall ist eine vollwertige, naturbelassene Kost mit reichlich Obst und frischem Gemüse sinnvoll. Durch diese Ernährung wird die Toxinbelastung des Körpers allgemein verringert.

Ordnungstherapie

Raucher sind durch Quecksilber viel mehr belastet als Nichtraucher. Quecksilber und die verschiedenen Gifte im Tabakrauch, insbesondere Benzpyren, Kadmium und Formaldehyd potenzieren die Quecksilberwirkung. Deshalb sollte bei einer Amalgamsanierung auf jeden Fall auf Rauchen verzichtet werden.

Starker Kaffe- und Teegenuß während der Amalgamsanierung und der nachfolgenden Ausleitungsbehandlung sollte vermieden werden, um dem Körper nicht unnötig Toxine zuzuführen.

Alkohol belastet die Leber und stört damit die Entgiftungsfunktion. Daher sollte unbedingt darauf verzichtet werden.

Während der Amalgamsanierung ist eine Streßvermeidung sinnvoll, da durch Streß der Körper ebenfalls zusätzlich belastet wird. Unnötige Belastungen jeglicher Art sollten unterbleiben.

Kneipptherapie

Durch eine Kneipptherapie werden die Lebenskräfte allgemein wieder angeregt. Sie ist zwangsläufig auch immer eine Entgiftungstherapie und kann bei einer Amalgamsanierung sinnvoll sein, besonders wenn der Gesundheitszustand durch die Sanierung selbst gelitten hat.

Mikrobiologische Therapie

Wie eingangs gezeigt, wird durch Quecksilber die Mikroflora des Darmes beeinflußt. Da während der Amalgamsanierung relativ viel Quecksilber freigesetzt wird, können sich auch die Darmbeschwerden kurzzeitig verschlechtern, die Mikroflora wird noch mehr gestört. Daher sollte man mit einer mikrobiologischen Therapie nach Amalgamsanierung etwa drei Monate abwarten, da sich viel von allein bessert. Auch die Pilzbeseitigung sollte nicht zu aggressiv erfolgen, da nur wieder unnötig Quecksilber im Darm freigesetzt wird. Sollte sich die Darmflora allerdings nicht von alleine regulieren, kann nach drei Monaten eine Therapie mit den entsprechenden Medikamente erfolgen, z.B. Symbioflor®. Häufig hilft bereits die Gabe von natürlichem Joghurt, da dieser die Darmflora gut aufbauen kann. Außerdem ist Knoblauch in hohen Dosierungen als Mittel zur Darmregulation sinnvoll.

Orthomolekulare Therapie

Eine Behandlung mit Mineralien und Spurenelementen ist oft sinnvoll. Allerdings ist in vielen Fällen der exakte Wirkungsmechanismus dieser Medikamente nicht bekannt. Wir wissen nicht genau, wie sie sich im Körper verhalten. Zum Teil ist noch nicht einmal die genaue Zusammensetzung der Vitamine erforscht. Diese Behandlungsform sollte nur angewandt werden, wenn sich der betreffende Arzt ausreichend mit der Methode beschäftigt hat. Das bloße Rezeptieren von Vitaminen reicht hierzu nicht.

Algenpräparate

Häufig werden bestimmte Algenpräparate als Nahrungsergänzungsmittel zur Amalgamausleitung empfohlen. Bis jetzt gibt es allerdings noch keine größeren Untersuchungen, ob dies sinnvoll ist.

Vorbeugen ist besser als therapieren

Die beste Vorbeugung gegen amalgambedingte Schäden ist, dieses nie zu verwenden. Es sollte möglichst rasch verboten werden, um die zahlreichen Vergiftungen zu vermeiden.

Literatur:

Hamre, H.J.: Amalgam Probleme und Lösungen in der naturheilkundlichen Praxis. Hippokrates Stuttgart 1997.