Homöopathische Therapiehinweise zur Neurodermitis

Die Neurodermitis ist ein Krankheitsbild, welches häufig überraschend einfach homöopathisch behandelt werden kann. Dies hängt damit zusammen, daß man die Haut sehen kann, allein aufgrund des Aspekts der befallenen Stellen und der Art des Ausschlags kann man häufig schnell auf ein Mittel schließen.

Die Neurodermitis wird auch häufig klassisch homöopathisch behandelt . Hierzu ist eine mehrstündige Anamnese mit allen möglichen Symptomen und Beschwerden erforderlich, auch mit Problemen, die nicht unmittelbar mit der Neurodermitis zusammenhängen. Um klassisch homöopathisch arbeiten zu können, ist allerdings eine langwierige Ausbildung in Homöopathie erforderlich.

Wenn man eine Neurodermitis homöopathisch behandelt, darf man keinesfalls gleichzeitig mit stark wirksamen Salben wie Buxefamac oder Kortikoiden arbeiten. Durch diese Salben wird im homöopathischen Sinn der Ausschlag "unterdrückt", so daß die Symptomatik verwaschen ist und man nicht mehr auf ein homöopathisches Mittel schließen kann. Außerdem ist die Wirkung homöopathischer Mittel nicht mehr abzuschätzen. Am besten wird überhaupt keine Hautsalbe verwendet. Wenn es sich nicht vermeiden läßt, sollte man unspezifische Fettsalben oder Baby-Creme verwenden, evtl. kommt auch Halicar ® in Betracht.

Hautärzte verordnen allerdings meist kortisonhaltige Salben, alternativ auch Teersalben oder Bufexamac. Diese Behandlung widerspricht völlig dem Heringschen Gesetz, nach dem eine Heilung von innen nach außen und nicht von außen nach innen erfolgen muß. Die "Erfolge" durch die Kortisonbehandlung sind oft sehr schlecht, so daß die Patienten reihenweise homöopathische Ärzte und auch Heilpraktiker aufsuchen. Die Erfolge durch eine homöopathische Behandlung und durch andere Naturheilverfahren sind wesentlich besser. Erfahrungsgemäß ist ein endogenes Ekzem bei Kindern sehr häufig durch eine Milcheiweißallergie verursacht. Wird das Kleinkind noch gestillt, sollte die Mutter zunächst einmal versuchsweise keine Milch trinken. In einem Großteil der Fälle bessert sich das Ekzem bereits daraufhin.

Ein Hinweis auf eine Kuhmilchallergie ist ein Ekzem im Beugebereich der Ellbogen, auf die Weizenallergie weist ein Ekzem an der Streckseite hin.

Bei nicht mehr gestillten Kindern sollte ebenfalls Milch gemieden werden, auch hier tritt häufig bereits eine Besserung auf. Ein endogenes Ekzem entsteht meistens aus mehreren Gründen: es gehört dazu die erbliche Belastung, eine eventuelle Allergie, eine Quecksilberbelastung durch Amalgamplomben (auch der Mutter!), psychische Einflüsse und Umwelteinflüsse. Häufig reicht es aus, zwei dieser Faktoren zu beseitigen, um das Ekzem zum Verschwinden zu bringen . Glücklicherweise ist es in der Medizin ja nicht immer so, daß alle Ursachen beseitigt werden müssen. Die Amalgamsanierung scheint eine sehr große Rolle zu spielen.

Impfungen verschlechtern oft die Neurodermitis. Die Indikation zur Impfung muß noch strenger gestellt werden als bei gesunden Kindern.

Es darf immer nur ein homöopathisches Mittel zur gleichen Zeit verordnet werden, ansonsten könnten sich die Mittel gegenseitig blockieren.

Das Hauptmittel ist Okoubaka D3 (3x5 Globuli tgl.). Später werden dann höhere Potenzen verabreicht. Dreißig bis vierzig Prozent der Kinder bzw. Erwachsenen sprechen sehr gut auf Okoubaka an. Sollte innerhalb von sechs Wochen mit Okoubaka kein Therapiefortschritt auftreten, kommen andere homöopathische Mittel in Betracht.

Ein wesentliches Mittel, insbesondere bei Kindern, ist Calcium carbonicum. Diese Kinder leiden auch an großen Tonsillen, vergrößerten Halslymphknoten und einem Lymphatismus. Sie sind meist sehr lieb und nett, aber sie haben sehr oft Krankheiten der oberen Luftwege. Gleichzeitig verbunden sind Ekzeme insbesondere im Ellbogen- und Kniebereich. Die Calcium carbonicum-Kinder sind meistens relativ dick. Es besteht ein ausgeprägtes Verlangen nach Süßem. Man beginnt für 4 Wochen mit Calcium carbonicum D4 (3x1 Tbl.tgl.).

Bei geistig etwas zurückgebliebenen und auch sehr faulen Kindern kommt Barium carbonicum in Frage. Hier gibt die allgemeine Konstitution den Ausschlag, z.B. Barium carbonicum D4 (3x1 Tbl.tgl.).

Natrium muriaticum-Patienten fallen dadurch auf, daß sie sehr leise reden und sich im allgemeinen sehr zurückziehen. Die Kinder verstecken sich hinter den Eltern. Das Ekzem ist meist im Nacken, aber auch an sonstigen Körperstellen. Das Maximum der Beschwerden ist mittags, weniger nachts. Am Meer (Nordsee) werden die Beschwerden auffallend besser. Die Patienten haben ein ausgeprägtes Salzverlangen. Hochpotenzen sind sehr günstig, z.B. die LM VI (3 Globuli tgl. vor dem Frühstück)

Die Lycopodium-Patienten haben ihr Ekzem ebenfalls im Nacken, sind im allgemeinen sehr dominierend, leicht aufbrausend, relativ dick und sind nicht sehr gesundheitsbewußt. Sie fallen durch ihre gute Kleidung auf, Kinder sind im allgemeinen etwas altklug und wirken älter als sie tatsächlich sind. Es gibt kein typisches Lycopodium-Ekzem, entscheidend ist die allgemeine Konstitution. Zunächst sollte mit der D6 (3x1 Tbl.tgl.) begonnen werden.

Das Lachesis-Ekzem ist eher dunkelrot, tritt meist linksseitig auf, der Juckreis besteht maximal am Morgen direkt nach dem Aufwachen. Die Patienten können nichts Enges am Körper vertragen. Es besteht eine ausgeprägte Wärmeüberempfindlichkeit. Es wird Lachesis D12 (3x5 Globuli tgl.) verordnet.

Arsenicum album kommt ebenfalls häufig als Konstitutionsmittel beim endogenen Ekzem in Frage. Es besteht eine ausgeprägte Kälteunverträglichkeit, die Patienten sind blaß und fahl. Beschwerden haben ihr Maximum nachts gegen 3 Uhr. Es fällt eine ausgeprägte Trockenheit er Haut auf. Die Patienten sind überkorrekt, bereits bei Kindern fällt auf, daß sie ihr Zimmer gut aufräumen (bei Eltern sehr beliebt, eigentlich aber unnormal). Günstig ist die D12

(2x5 Globuli tgl.).

Häufig wird beim endogenen Ekzem Sulfur benötigt. Die Sulfur-Patienten vertragen wiederum keine Wärme, sind sehr schlampig und unordentlich, die Haut stinkt meistens. Das Sul-

furekzem kennt keine bestimmten Prädilektionsstellen, bei der Anwendung von Sulfur spielen vor allem konstitutionelle Momente eine Rolle. Man beginnt mit der D6 (3x1 Tbl.tgl.). Es gibt gelegentlich Erstverschlimmerungen. In diesem Fall erst einmal Sulfur absetzen.

Acidum nitricum wird benötigt, wenn Ekzeme wie Risse aussehen. Insbesondere Risse in den Fingern und Zehen und im Gesichtsbereich weisen auf Acidum nitricum hin. Es wird die D12 (3x5 Globuli tgl.) verordnet.

Acidum carbolicum hat seine typische Prädilektionsstelle in der Handinnenfläche. Derartige Ekzeme sprechen sehr gut auf Acidum carbolicum an. Günstig ist die D12 (2x5 Tropfen).

Ein typisches Mercuris solubilis-Ekzem gibt es nicht. Auch hier spielen hauptsächlich konstitutionelle Momente eine Rolle. Die Haut neigt zu Entzündungen in allen Formen, Urticaria, Erysipel, Erythem, nässendes Ekzem bis schwere Dermatitis und Pyodermie. Der Schweiß färbt gelb, ist übelriechend und heftig, besonders nachts. Empfindlichkeit der Haut gegen Kälte. Allgemein Lymphatismus. Es wird verordnet in der D12 (3x1 Tbl.tgl.)

Bei der Neurodermitis, die Kreosotum benötigt, spielt hauptsächlich der Geruch eine Rolle. Die Patienten riechen sehr stark und sind praktisch nicht gesellschaftsfähig. Empfehlenswert ist die D4 (3x1 Tbl.tgl.).

Beim Pulsatilla-Ekzem fällt der ständige Wechsel der Entzündungsstellen auf. Die Patienten sind extrem weinerlich. Meist sind sie blond und hellhäutig. Begonnen wird mit der D6

(3x1 Tbl.tgl.)

Rhus toxicodendron wird bei Ekzemen dann gegeben, wenn ein ausgeprägter, quälender nächtlicher Juckreiz beim Ekzem besteht. Der Juckreiz wird besser durch Aufstehen. Man verordnet es in der D6 (3x1 Tbl.tgl.)

Das Dulcamara-Ekzem fällt durch eine ausgeprägte eitrige Pustelbildung auf. Meistens handelt es sich um ein superinfiziertes endogenes Ekzem. Die Beschwerden der Patienten sind sehr ausgeprägt, sie haben starke Schmerzen. Für ein bis zwei Wochen gibt man die D6 (alle 2 Stunden 1 Tbl.).

Als Alternativpräparat kommt auch Cortison wie in der Schulmedizin in Frage, allerdings in homöopathischen Dosierungen. Günstig ist hier die Gabe von Cortison D10 (1 Tbl.tgl.) vor dem Frühstück). Damit verschwinden auch häufig Ekzeme, die zuvor auf allopathisch verordnetes Cortison (oral und/oder lokal) nicht reagiert haben.

Die Mittelwahl ist manchmal nicht einfach. Hier muß mit Arzneimittellehren und Repertorien gearbeitet werden. Mit einer gewissen Erfahrung gelingt die Mittelwahl recht schnell. Die Erfolge sind gut erkennbar.