Die homöopathische Behandlung von Geruchs- und Geschmackstörungen

Vorschautext:

Der Geruchs- und Geschmackssinn ist nicht so wichtig wie andere Sinne, z.B. sehen und hören, fehlen uns aber die Sinne, ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Ohne Geruchs- und Geschmackssinn ist ein sinnliches Erleben z. B. des Essens oder der freien Natur nicht mehr so ohne weiteres möglich. Auch geht eine wesentliche Warnfunktion verloren. Brände können z.B. nicht durch den Geruch wahrgenommen werden. Man sollte alles tun, um den Geruchs- und Geschmackssinn zu erhalten. In dem Beitrag wird aufgezeigt, wodurch Geruchs- und Geschmacksstörungen entstehen und wie diese therapiert werden können.

 

Sprachliche Vorbemerkung:

Die Wörter "riechen" und "schmecken" sind zwar eindeutig definiert, werden aber sehr oft, zumal im schwäbischen, völlig durcheinandergebracht.

Unter "riechen" verstehen wir die Sinnesqualität, die durch das Geruchsorgan in der Nase mit dem I. Hirnnerven (Nervus olfactorius) wahrgenommen wird. Typische Geruchsstoffe sind z.B. Lavendel, Parfums, Schwefelwasserstoff (faule Eier), viele ätherische Öle, Bittermandel und viele andere.

Unter "schmecken" verstehen wir eine Sinnesqualität, die mit den Geschmackspapillen an der Zunge wahrgenommen und über mehrere Hirnnerven weitergeleitet wird (V. Hirnnerv, Nervus trigeminus, IX. Hirnnerv Nervus glossopharyngeus und X. Hirnnerv, Nervus vagus). Es gibt lediglich vier Geschmacksrichtungen, nämlich süß, sauer, salzig und bitter.

Weitere Sinnesqualitäten, die laienhaft oft dem Riechen und Schmecken zugeordnet werden, z.B. Geschmacksrichtungen wie "scharf", gibt es nicht. Schärfe bedeutet, dass geringgradige Schmerzen in der Zunge verursacht werden, z.B. durch Pfeffer. Pfeffer schmeckt man also nicht, Pfeffer tut weh. Diese geringen Schmerzen empfinden wir als angenehm oder auch nicht, dies ist individuell unterschiedlich.

Es gibt dann noch weitere Sinneswahrnehmungen mit der Nase, die aber nicht über das Geruchsorgan fortgeleitet werden. Z.B. können wir Ammoniak nicht riechen, Ammoniak verursacht vielmehr ebenfalls eine Art Schmerzempfindung, die durch den V. Hirnnerv (Nervus trigeminus) fortgeleitet wird, nicht über den Geruchsnerven. Das gleiche gilt für Formaldehyd.

Wenn Patienten zu mir in die Sprechstunde kommen, die eine Geruchsstörung haben, klagen sie praktisch regelmäßig darüber, dass sie nichts mehr "schmecken". Dies bedeutet nur in den seltensten Fällen den schwäbischen Ausdruck für riechen. Vielmehr meinen die Patienten meistens tatsächlich, dass sie nichts mehr schmecken. Dies hängt damit zusammen, dass ihnen das Essen nicht mehr "schmeckt". Wenn wir im Essen nur die reinen Geschmacksqualitäten süß, sauer, salzig und bitter wahrnehmen, schmeckt das Essen fade. Sie können dies einfach selbst ausprobieren, indem sie beim Essen die Nase zuhalten. Kinder machen dies ja manchmal gern, wenn sie etwas essen müssen, das sie nicht mögen.

Auch beim Essen nehmen wir viel über die Nase wahr. Die Speisen enthalten zahlreiche Geruchsstoffe, die über den Rachen in die Nase einströmen und dann wahrgenommen werden. Dies gibt dem Essen dann das Aroma.

 

Häufigkeit

Geruchsstörungen kommen relativ häufig vor, Geschmacksstörungen extrem selten. Die Kombination von Geruchs- und Geschmacksstörungen praktisch nie.

Klassifikation von Geruchsstörungen

Es gibt vollständige Geruchsstörungen, bei denen überhaupt nichts mehr gerochen wird, dies nennt man Anosmie wird teilweise noch etwas gerochen, nennt man dies Hyposmie. Werden Stoffe falsch wahrgenommen, z.B. Bittermandel als faule Eier empfunden, nennt man dies Kakosmie.

 

Ursachen von Geruchsstörungen

Geruchsstörungen können sehr vielfältige Ursachen haben, deshalb sollte jede Geruchsstörung, die länger als Wochen besteht, ärztlich abgeklärt werden.

Die häufigste Ursache ist ein banaler Infekt, z.B. ein Schnupfen. Wenn die Nase zugeschwollen ist, können wir nichts riechen. Es dauert dann ein paar Tage, danach ist es wieder gut. Dies haben sicher alle Leser schon einmal erlebt.

Manchmal kann nach einem grippalen Infekt das Geruchsvermögen nicht wiederkommen. In diesem Fall ist unbedingt eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Die Geruchsmoleküle können nur wahrgenommen werden, wenn sie an die Riechrinne kommen. Ist die Nasenatmung verlegt, ist dies nicht möglich. Die Verlegung kann z.B. verursacht sein durch eine massive Verbiegung der Nasenscheidewand. Wesentlich häufiger ist bei Erwachsenen die Ausbildung von Nasenpolypen. Nasenpolypen sind längliche weißlich grauglasige Gewächse, die aus dem Siebbein (Zellen hinter der Nase) wuchern und in die Nase vorfallen. Durch die Polypen ist der Zugang zur Riechrinne verwehrt.

Auch eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung ohne Polypen kann dafür sorgen, dass die Nasenluftpassage nicht ausreichend ist und Geruchsstoffe nicht wahrgenommen werden können.

In seltenen Fällen kann ein Tumor des I. Hirnnerven, ein Olfaktoriusmeningiom, zu einer Anosmie führen. Da ist bei längerer Dauer der Beschwerden ein Kernspintomogramm des Schädels angezeigt.

Eine nicht seltene Ursache einer Anosmie ist ein Unfall. Wenn ein Patient auf den Hinterkopf fällt, können die Riechfäden abreißen, die Informationsfortleitung über den I. Hirnnerven zum Hirn funktioniert dann nicht mehr. Dies tritt unmittelbar nach dem Unfall auf, wird aber häufig nicht gleich bemerkt, da es sich oft um sehr schwere Unfälle handelt, wo noch ganz andere Probleme auftreten. Leider ist bei dieser Ursache mit einer Wiederherstellung des Geruchsvermögens nicht zu rechnen.

Manchmal kann auch eine Geruchs- oder Geschmachsstörung durch eine Medikamentennebenwirkung aufteten, z.B. durch Zytostatika,Antirheumatika oder auch in seltenen Fällen durch Antibiotika.

In einem Großteil der Fälle findet man die Ursache nicht heraus. Dies ist zwar für den Patienten und für den Arzt unbefriedigend, man muss es in der Medizin aber akzeptieren.

Ursachen von Geschmacksstörungen

Vollständige Geschmacksstörungen sind sehr selten, Teilausfälle eher häufig. Die vollständige Geschmacksstörung nennt man Ageusie. Sie ist deshalb so selten, weil verschiedene Hirnnerven Geschmacksempfindungen fortleiten, dies zudem noch nach beiden Seiten. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass alle diese Hirnnerven gleichzeitig ausfallen.

Eine Geschmacksstörung kann durch einen Zinkmangel verursacht werden. Dies lässt sich durch eine Urinprobe feststellen. Bei extremem Zungenbelag kann auch mal der Geschmack ausfallen. Ebenso bei extrem starken Rauchern.

Gelegentlich treten einseitige Geschmacksstörungen, vor allem der Qualität "bitter" nach Ohroperationen auf. Durch das Ohr verläuft ein spezieller Nerv, die Chorda tympani, der gelegentlich bei den Operationen durchgeschnitten wird. Anschließend fehlt einseitig die Empfindung "bitter".

Selten findet sich eine Geschmacksstörung nach einer Mandeloperation, der Tonsillektomie. Gelegentlich besteht diese Störung nur für einige Wochen, kann aber auch mal langfristig auftreten.

 

Diagnostik der Geruchs- und Geschmacksstörungen

Die Diagnostik in der Arztpraxis ist relativ einfach und unkompliziert. Man lässt den Patienten verschiedene Geruchsstoffe seitengetrennt durch die Nase einatmen. Im allgemeinen reicht es, wenn der Patient den Geruchsstoff wahrnimmt. Wenn er konkret sagen kann, um was es sich handelt, ist es um so besser. Dies ist aber nicht unbedingt erforderlich. Gleichzeitig verabreicht man auch noch Stoffe, die nicht riechen, und Trigeminusreizstoffe. Zur Testung kommen im wesentlichen Kaffee, Kakao, Lavendel, Bittermandelsäure, Ammoniak und Wasser. Es gibt dann noch weitaus kompliziertere Geruchstests, zum Teil auch mit Computern, die allerdings im Regelfall nur in Universitäten durchgeführt werden. Sie bringen für die tägliche Diagnostik keine wesentlichen Aussagen.

Bei einem Geschmacksstoff träufelt man je eine Lösung mit Zucker, Zitronensäure, Chinin oder Kochsalz seitengetrennt auf die Zunge auf, wobei der Untersuchte die Stoffe "süß", "sauer", "salzig" und "bitter" identifizieren muss. Süß, sauer und salzig werden übrigens im vorderen Anteil der Zunge wahrgenommen, bitter im hinteren Anteil.

 

Therapeutische Möglichkeiten

Die Behandlung der Geruchsstörungen hängt von der Ursache ab.

Bei einer traumatischen Geruchsstörung durch einen extremen Schlag auf den Hinterkopf ist jeder Therapieversuch zwecklos. Das Geruchsvermögen ist und bleibt defekt.

Bei Nasenpolypen darf kein Aspirin mehr verwendet werden. Aspirin bringt die Polypen zum wachsen. Leider wissen dies auch viele Hausärzte nicht. Homöopathisch kommt in Frage die Einmalgabe von Tuberkulinum D200 (5 Kügelchen), anschließend die Verordnung von Marum verum D12 (2x1 Tbl.tgl.) für drei Monate. Zusätzllich sind Inhalationen mit Salz oder ein Nordseeaufenthalt günstig. Die Polypen werden zurückgedrängt, die Nasenatmung wird verbessert. Es gelingt allerdings nicht immer, dass der Patient anschließend wieder riecht.

Beim Olfaktoriusmeningiom kommt nur eine Operation in Frage.

Der häufigste Fall, die idiopathische "Anosmie", ist am einfachsten zu behandeln. Man weiß zwar die Ursache nicht, hat aber homöopathisch gute therapeutische Möglichkeiten. Es gibt eine bewährte Indikation: Einmalgabe von Natrium muriaticum D200 (5 Kügelchen), anschließend über zwei Monate Luffa D6 (2x1 Tbl.tgl.), wenn das Geruchsvermögen dann noch nicht wieder da ist, anschließend Luffa D12 (x1 Tbl.tgl.). Die Prognose bei der idiopathischen Anosmie ist recht gut.

Sollte dieses Therapieschema nicht helfen, kommt alternativ anschließend die Therapie mit China D6 (3x1 Tbl.tgl.) für zwei Monate in Frage, anschließend China D12 (2x1 Tbl.tgl.).

Ansonsten können Konstitutionsmittel gegeben werden. Natrium muriaticum spielt hier eine große Rolle. Dies sind Patienten, die oft die Nase voll haben, sowohl wörtlich als auch übertragen. In diesem Fall kommt Natrium muriaticum LM VI (3 Kügelchen vor dem Frühstück) über Monate in Frage.

Bei der Kakosmie, dem "falschen Riechen", empfehle ich Asa fötida D6 (3x1 Tbl.tgl.) über Monate. Alternativ kommt Kreosot D4 (3x1 Tbl.tgl.) über Monate in Frage.

Geschmacksstörungen lassen sich im Regelfall nicht gut behandeln. Die Prognose ist hier wesentlich schlechter. Eine homöopathische Behandlung bei einer Geschmacksstörung bringt nicht viel. Viel eher erfolgreich ist ein Therapieversuch mit Zink und mit B-Vitaminen.

Tritt eine Geschmacksstörung nach einem Unfall auf, ist ein Therapieversuch mit Arnica D6 (3x1 Tbl.tgl.) über Monate angezeigt. Diese Behandlung ist auch bei einer Geschmacksstörung nach Mandeloperation angezeigt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Behandlung von Geruchs- und Geschmacksstörungen Geduld erfordert. Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Häufig kommt das Geruchsvermögen mit Cortison wieder rasch in Ordnung, das aber bekanntermaßen massive Nebenwirkungen hat und auch nur kurzfristig wirkt. Nach Absetzen der Cortisoneinnahme sind die Beschwerden meistens schlimmer als zuvor. Dringend abraten möchte ich auch von der Verwendung von abschwellenden Nasentropfen, die auf Dauer die Beschwerden drastisch verschlechtern und ebenfalls von Cortisonnasentropfen, die für eine Besiedlung der Nase mit Pilzen und Bakterien sorgen.