Unter Pseudokrupp versteht man eine Atemnot bei Kindern, die meistens nachts ganz plötzlich auftritt und mit einer extremen Angst des Kindes und der Eltern verbunden ist. Die Krankheit tritt in der Regel zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr auf. Das Kind hat Schwierigkeiten einzuatmen, nicht auszuatmen (wie beim Asthma). Die Ursache der Atemnot ist meistens eine akute Entzündung unterhalb der Stimmbänder.

Der Pseudokrupp tritt in bestimmten Gegenden gehäuft auf. Dies hängt insbesondere mit der Schadstoffbelastung in der Luft zusammen. Als Faustregel kann gelten, dass es um so weniger Pseudokrupp gibt, desto weniger schadstoffbelastet die Luft ist. Umgekehrt ist in Industriegebieten mit gehäuften Pseudokruppanfällen zu rechnen. Die Anfallsneigung hängt auch vom Wetter ab. Besonders schlimm ist hier die Inversionswetterlage oder auch Nebel. Bei diesen Wetterlagen ist regelmäßig die Schadstoffbelastung erhöht. Ebenfalls problematisch kann eine hohe Ozonbelastung in der Luft sein, wie es sich gelegentlich im Sommer an heißen Tagen findet.

Der Pseudokrupp tritt praktisch nie tagsüber auf. Die Entzündung unterhalb der Stimmbänder kann sich im Regelfall nur entwickeln, wenn das Kind liegt.

Jedes Kind kann von Pseudokrupp befallen werden. Die Erkrankung kommt das erste Mal völlig unerwartet aus heiterem Himmel. Daher sollten sich alle Eltern schon einmal vorstellen, wie sie reagieren, wenn solch eine Krankheit auftritt. Es ist wichtig, dass man in dieser Situation gezielt handelt und nicht in blinden Aktionismus verfällt.

Der Pseudokrupp ist eine theoretisch lebensbedrohliche Krankheit. Trotz aller Dramatik ist es dringend erforderlich, dass die Eltern Ruhe bewahren und vor dem Kind keine hektischen Bewegungen machen. Wenn das Kind die Dramatik der Krankheit erkennt, ist die Gefahr viel größer, dass das Kind erstickt. Glücklicherweise ist es extrem selten, dass ein Kind an Pseudokrupp tatsächlich erstickt. Mir persönlich ist kein Fall bekannt.

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!!!

Wenn ein Kind plötzlich aus dem Schlaf mit Atemnot erwacht, ist das Erste der Griff zum Fenster, welches geöffnet werden muss. Anschließend geben Sie Ihrem Kind 5 Kügelchen Aconit D30, nehmen auch selbst 5 Kügelchen Aconit D30 ein und geben es allen wachen Geschwistern und dem Ehepartner. Dies ist äußerst wichtig. Beim Pseudokrupp muss nicht nur das Kind selbst behandelt werden, sondern die ganze Familie. Aconit dient dazu, die Angst wegzunehmen und führt in der ersten Situation sofort zur Beruhigung.

Anschließend hängt man feuchte Tücher um das Bett auf, damit die Luftfeuchtigkeit steigt. Das Kind erhält jetzt Spongia D6 Globuli, alle 2 Minuten 5 Kügelchen, bis der Anfall vorbei ist. Tritt der Anfall nachts nach 3 Uhr auf, gibt man Hepar sulfuris D6 Tabletten (alle 2 Minuten 1 Tablette).

Geht man so vor, ist der Pseudokruppanfall in der Regel nach 5 bis 10 Minuten vorbei. Man sollte möglichst nicht das Kind sofort in ein Auto packen und in die nächste Klinik fahren. Dies kann gefährlich werden, wenn das Kind die ganze Aufregung mitbekommt. Erst wenn die Therapie nach etwa 10-15 Minuten nicht hilft, ist die Fahrt in eine Klinik zu überlegen. Dies kommt allerdings sehr selten vor.

Wenn ein Kind mit homöopathischen Mitteln einmal einen Pseudokrupp überstanden hat, bekommt es im Regelfall keinen erneuten Anfall mehr. Dies hängt viel mit Psychologie zusammen. Wenn keine Angst mehr vor der Krankheit besteht, tritt die Krankheit nicht mehr auf.

Im Anschluss an einen Pseudokrupp haben die Kinder oft einen Reizhusten oder eine Bronchitis. Dies bedeutet, dass der Pseudokruppanfall das erste Zeichen einer beginnenden Infektion sein kann. Bei dieser Bronchitis ist es dann sehr wichtig, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Das Kind sollte unbedingt viel trinken, wobei Milch wegen der Verschleimung vermieden werden muss. Als homöopathisches Mittel kommen im Regelfall wiederum Spongia D6 zum Einsatz, jetzt aber natürlich nicht alle 2 Minuten, sondern alle 2 Stunden oder 3 x täglich vor dem Essen 5 Kügelchen. Zwei Pseudokruppanfälle hintereinander in zwei Nächten gibt es praktisch nicht. Darauf müssen die Eltern hingewiesen werden, damit sie nicht unnötig Angst haben.

Das von den Kinderärzten früher, zum Teil auch heute noch, verabreichte Cortisonzäpfchen (Rectodelt ®) ist im Anfall praktisch wirkungslos. Das Cortison wird von der Darmschleimhaut gar nicht zur Genüge aufgenommen, außerdem dauert die Aufnahme viel zu lang. Cortison dämpft nur die Abwehr und das Immunsystem, es sollte daher unterbleiben. Es ist ein Irrglaube, dass in Notfällen Cortison schnell wirkt. Schnell würde Adrenalin wirken, dies ist aber im Regelfall beim Pseudokrupp nicht erforderlich. Adrenalin-Sprays gab es bis vor einigen Jahren im Handel, sie sind jetzt aber wegen der FCKW-Problematik nicht mehr verfügbar. Es gibt noch ein Spray auf dem Markt, nämlich Infecto-Krupp ®, das zu empfehlen wäre. Dies ist aber in der Handhabung derart kompliziert, dass sich von daher allein die Anwendung verbietet. Man muss dieses Spray erst kompliziert zusammenbauen, und das in extremer Aufregung.

Wenn der Anfall vorbei ist, kann man das Kind beruhigt wieder schlafen lassen und sich auch selbst zum Schlafen legen. Eine besondere Nachbeobachtung ist nicht erforderlich. Wenn das Kind am anderen Tag gesund ist, braucht auch kein Arzt aufgesucht zu werden.

Äußerst wichtig, und darauf möchte ich nochmals besonders hinweisen, ist die Unterscheidung von einem Asthmaanfall und Pseudokrupp. Beim Pseudokrupp haben die Kinder Schwierigkeiten beim Einatmen, dies führt zu einem typischen Atemnotgeräusch. Beim Asthma haben die Kinder Schwierigkeiten beim Ausatmen. Hier tritt dann das merkwürdige Pfeifgeräusch auf, das von Asthmatikern bekannt ist. Wenn man beim Asthmatiker im Akutfall die Bronchien abhört, hört man eine typische Spastik. Dies fehlt beim Pseudokrupp. Diese Differenzierung der Einatmungs- und Ausatmungsstörung ist äußerst wichtig.

Im Regelfall ist der Pseudokrupp als solcher relativ einfach zu diagnostizieren, eben aufgrund der Angaben der Eltern. Die Schwellung unterhalb der Stimmlippen kann bei den Kindern nicht gesehen werden, dazu wäre eine Narkose erforderlich. In seltenen Fällen kann aber der Pseudokrupp auch mit anderen Krankheiten verwechselt werden, z.B. mit angeborenen Missbildungen der Luftröhre oder mit Tumoren im Luftröhrenbereich. Dies sind aber Raritäten. Derartige Patienten fallen durch immer wiederkehrende Beschwerden auf, die durch nichts in Griff zu bekommen sind.