Eigentlich sind Nasennebenhöhlenerkrankungen im Grunde keine echten Krankheiten, sondern ein Symptom. Meistens steckt eine Darmerkrankung dahinter. Sinusitiden sind mittels bildgebender Verfahren wie Röntgen, Computertomografie und Ultraschall eindeutig zu objektivieren. Der Behandlungsverlauf ist idealerweise zu kontrollieren. Dabei muss differenziert werden einerseits zwischen Beschwerdefreiheit des Patienten und andererseits der objektiven Ausheilung. Die Sinusitiden sind, besonders im Winter, eine Massenerkrankung. Die Behandlung muss gemäß Hahnemanns Kriterien "cito et iucunde" ablaufen. Bei der Sinusitis kann man idealerweise die Homöopathie mit Naturheilverfahren kombinieren. Die wichtigsten homöopathischen Mittel im Notfall sind Aconitum und Cinnabaris, pflanzliche Mittel sind Sinupret® und Umckaloabo®, zusätzlich kommt Neuraltherapie und Eigenbluttherapie in Frage.

Man unterscheidet zwischen Entzündungen der vier verschiedenen Nebenhöhlen (Sinus maxillares = Kieferhöhlen, Sinus frontales = Stirnhöhlen, Sinus sphenoidales = Keilbeinhöhlen und Sinus ethmoidalis = Siebbeinzellen). Eine Nasennebenhöhlenentzündung kann die verschiedensten Kopfschmerzsymptome zur Folge haben, insbesondere Oberkieferschmerzen beidseits, die sich beim Bücken verschlechtern, diffuser Druck im Stirnbereich, Schläfenkopfschmerzen, neuralgiforme Schmerzen usw. Die Schmerzsymptomatik hängt meistens davon ab, welche Region des Nebenhöhlengebiets mehr oder weniger befallen ist. Weitaus am häufigsten erkranken die Kieferhöhlen. Die Kopfschmerzen sind meistens tagsüber ausgeprägter als abends und nachts.

Bei einer Sinusitis werden meiner Ansicht nach in der herkömmlichen HNO-Heilkunde die meisten Fehler gemacht. So ist im allgemeinen nicht der Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Nasennebenhöhlensystem bekannt. Bei einer normalen Darmflora gibt es praktisch keine Nasennebenhöhlenentzündung. Den Zusammenhang kennen die Chinesen schon mehrere tausend Jahre, er lässt sich aus den Akupunkturregeln leicht ableiten. Anamnestisch geben Patienten immer auch Darmbeschwerden an. Auffallenderweise benötigt man für die Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündungen und Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn fast dieselben homöopathischen Arzneien.

Gibt man bei einer akuten eitrigen Kieferhöhlenentzündung Antibiotika, werden nicht nur die Keime in der Kieferhöhle (vielleicht) abgetötet, sondern auch die physiologische Darmflora. Durch die iatrogene Darmerkrankung wird die akute Sinusitis chronisch, das zweite und dritte Antibiotikum wirkt auch nicht mehr, die Kieferhöhlen werden operativ "saniert", womit der Patient dann meistens seine Beschwerden für immer behält. Mit abschwellenden Nasentropfen wird die Nasenschleimhaut ausgetrocknet, so dass die Nasenluftpassage weiter eingeschränkt und die natürlichen Ostien verlegt werden. Außerdem haben dadurch die Bakterien wesentlich bessere Möglichkeiten, in noch nicht befallene Regionen vorzudringen. Mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Mitteln wird das Fieber unterdrückt, so dass ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers außer Funktion gesetzt wird.

Mit einer Kieferhöhlenspülung werden zusätzlich Keime in die Kieferhöhlen eingebracht.

Glücklicherweise gibt es auch in der Schulmedizin Tendenzen, von der antibiotischen Behandlung der Sinusitis abzusehen. Es gibt Studien die zeigen, dass die Antibiose den Heilungsverlauf nicht günstig beeinflusst (2,4).

Krankheitssymptome sollten nicht unterdrückt werden, vielmehr muss regulierend in den Krankheitsverlauf eingegriffen werden. Bei Schnupfen und Sinusitis sollte in jedem Fall auf abschwellende Nasentropfen, Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel und Antibiotika verzichtet werden.

Akute Sinusitis maxillaris mit Empyem

Es handelt sich um ein Krankheitsbild, das in einer HNO-Praxis, aber auch in einer Allgemeinarztpraxis sehr häufig behandelt werden muss, vor allem in den Wintermonaten. Gelegentlich kommen an einem Tag bis zu 50 Patienten mit einer Sinusitis. Eine Differenzierung nach homöopathischen Kriterien ist hier nicht mehr möglich.

Zunächst (1) gebe ich einmalig Aconit D30 (3x5 Globuli im Abstand von 2 Std.), anschließend Cinnabaris D4 (3x1 Tbl. tgl.) oder bei Versagen selten Kalium bichromicum D4 (3x1 Tbl. tgl.). Zusätzlich verordne ich als Begleitmedikament Sinupret® und je nach Krankheitsausprägung Umckaloabo® und lasse mit Kamille und Emser Salz inhalieren. Die Inhalation mit Kamille allein sollte nicht durchgeführt werden, da dies die Nase zu stark austrocknet und Allergien produzieren kann. Zu Beginn ist außerdem eine Eigenblutspritze günstig. Hierbei entnehme ich 1 ml Venenblut, vermische es mit etwas Natriumcitrat und 1 ml Procain und injiziere die Mischung intramuskulär. Bei sehr starken Schmerzen kann zusätzlich Procain in die Fossa canina (Grube vor der Kieferhöhle) injiziert werden. Dabei wird pro Seite etwa 1 ml Procain verwendet. Die Injektion in diesem Bereich ist fast schmerzfrei.

Die für Aconit zutreffenden Modalitäten (3): plötzlicher Krankheitsbeginn, heftig, verbunden mit Ängsten, Folge von Wind, plötzlich einsetzendes Fieber, Kopfschmerzen, schlimmer bei Licht und Geräusch, Gesicht rot und heiß, scharfer Schnupfen, trockener Husten, Kältegefühl mit Schaudern und Frösteln.

Modalitäten von Cinnabaris (3): Katarrhe der Nasennebenhöhlen, subakut und chronisch. Bringt vertrocknete Absonderungen wieder in Gang. Beseitigt dadurch Kopfschmerzen und kann zur Ausheilung führen. Druck an der Nasenwurzel.

Das Schema ist insgesamt relativ einfach und hilft bei über 90 % der akuten Kieferhöhlenentzündungen. Bei Versagen muss auch an andere homöopathische Mittel gedacht werden, insbesondere kommen Arsenicum album, Natrium muriaticum, Sulfur, Lycopodium, Lachesis oder Pulsatilla in Betracht.

Akute Sinusitis frontalis mit Empyem

Eine eitrige Sinusitis frontalis ist wesentlich gefährlicher als eine eitrige Kieferhöhlentzündung. Gefürchtet ist der Durchbruch der relativ dünnen Stirnhöhlenhinterwand mit folgendem Hirnabszess. Glücklicherweise habe ich noch niemals in der Praxis einen derartigen Krankheitsverlauf gesehen.

Tritt ein ausgeprägtes Oberlidödem auf, muss der Patient streng kontrolliert werden. Bei einer Sinusitis frontalis treten fast regelmäßig sehr starke Stirnkopfschmerzen auf. Wenn man sich mit der Therapie nicht sicher ist, sollten bei einem schwereren Krankheitsverlauf unbedingt Antibiotika gegeben werden.

Normalerweise gebe ich als erstes Mittel einmalig Natrium muriaticum D200. Ansonsten wird mit hohen Einlagen und Muckschen Saugungen behandelt, dabei wird der Eiter durch die Nase von der Stirnhöhle abgesaugt. Außerdem erhalten die Patienten wie bei einer eitrigen Kieferhöhlentzündung Cinnabaris D4 und Sinupret®, Umckaloabo®, Inhalationen, Rotlichtbestrahlungen und eine Eigenblutspritze. Bei extremen Kopfschmerzen injiziere ich noch zusätzlich Novocain® in den Schmerzpunkt. Am einfachsten injiziert man Procain nach der "Dawos-Methode", da wos wehtut. Dies führt im allgemeinen zu einer raschen Besserung.

Sinusitis maxillaris chronica

Eine chronische Kieferhöhlenentzündung ist durch einen lang andauernden Verlauf gekennzeichnet, es treten immer wieder Episoden von akuten Kieferhöhlentzündungen auf, häufig bestehen Kopfschmerzen im Oberkiefer- oder Stirnbereich und chronische Schnupfenbeschwerden. Oft steht eine Allergie oder eine Quecksilberintoxikation hinter derartigen Beschwerden, dies muss natürlich abgeklärt werden. Selbstverständlich muss auch an einen Fremdkörper in der Kieferhöhle gedacht werden oder auch an ein Karzinom. Tumore in diesem Bereich sind allerdings glücklicherweise relativ selten.

Bei chronischer Sinusitis maxillaris hat sich eine Mischung sehr bewährt:

Kalium bichromicum D12

Sulfur jodatum D6

Allium cepa D4

Luffa D12 aa ad 80,0 ml

Es werden 3x5 Tropfen tgl. eingenommen, etwa 1 bis 2 Monate lang. Ansonsten gebe ich als Resorptions- und Eiterungsmittel Sulfur jodatum D12. Bei einseitiger chronischer Sinusitis mit übelriechender Sekretion wird Hepar sulfuris D6 (3x1 Tbl. tgl.) verordnet. Als chronisches Eiterungsmittel kommt Silicea D6 (3x1 Tbl. tgl.) in Frage. Silicea ist auch das Mittel der Wahl bei gleichzeitig bestehenden Schwindelbeschwerden, beim sogenannten sinugenen Schwindel. Bei entsprechenden Modalitäten (Platzangst, Hochhausangst und häufige Magenschmerzen) ist Argentum nitricum D12 (2x1 Tbl. tgl.) das Heilmittel. Bei jeder Sinusitis muss nach einer Darmerkrankung gefragt werden. Die meisten Patienten geben dabei Probleme mit der Verdauung an. Häufig steckt eine Allergie hinter der chronischen Sinusitis, insbesondere eine Nahrungsmittelallergie. In diesen Fällen ist immer sehr individuell zu behandeln. Karenzmaßnahmen sind oft nicht möglich wegen einer polyvalenten Allergie oder werden vom Patienten mangels Einsicht nicht eingehalten.

Je nach Ausprägung der allergischen Komponente wird zunächst die Allergie als solche behandelt.

Rhinosinusitis polyposa

Es handelt sich hierbei um einen Sonderfall der chronischen Sinusitis mit Polypenbildung, wobei die Polypen hauptsächlich im Siebbeinbereich über den mittleren Nasengang in die Nase wachsen. Praktisch immer besteht gleichzeitig auch noch eine chronische Kieferhöhlenentzündung, häufig auch noch eine chronische Keilbeinentzündung. Diese Krankheit hat nichts, aber auch gar nichts, mit den adenoiden Vegetationen (im Volksmund "Polypen" genannt) zu tun.

Ursache der Rhinosinusitis polyposa sind häufig Allergien, insbesondere Milben-, Tier- und Schimmelpilzallergien. Es kommen aber auch sehr oft Nahrungsmittelallergien in Frage, was entsprechend abgeklärt werden muss. Patienten mit Rhinosinusitis polyposa vertragen praktisch nie Acetylsalicylsäure. Da bei älteren Menschen zur Schlaganfallprophylaxe vermehrt Acetylsalicylsäure verwendet wird, tritt die Rhinosinusitis polyposa auch immer häufiger auf.

Steht eine Allergie im Vordergrund des Geschehens, ist zunächst eine antiallergische Behandlung erforderlich.

Auch die Amalgamintoxikation bzw. Amalgamallergie ist eine häufige Ursache. Bei der Rhinosinusitis polyposa sollte grundsätzlich eine Amalgamsanierung angestrebt werden.

Häufig gelingt die Zurückbildung der Nasenpolypen mit Marum verum D12 (2x1 Tbl. tgl. vor dem Essen). Sehr gut ist die Lokalbehandlung mit einer Nasensalbe:

Marum verum D1 10 ml

Eucerini anhydr. ad 50,0

m.f. ungt. Nasensalbe.

Manchmal müssen zusätzlich in örtlicher Betäubung die Polypen entfernt werden. Inhalationen mit Kamille und Emser Salz drängen die Polypen oft zurück.

Sehr oft ist ein Klimawechsel günstig, insbesondere Nordseeklima. Dort sollte mit Meerwasser inhaliert werden. Auch Nasenspülungen mit Salzwasser sind günstig.

Auf Aspirin® ist grundsätzlich zu verzichten. Aspirin® fördert das Polypenwachstum.

Abzuraten ist von allen Formen der Nasennebenhöhlenchirurgie, da nur unnötig Narben gesetzt werden und die Ursache der Sinusitis nicht behandelt wird. Diese Operationen sind nur in ganz wenigen Fällen sinnvoll und nützlich.

Die neueren endoskopischen Operationsverfahren sind wesentlich schonender als die früheren radikalen. Die Nebenwirkungsrate scheint auch geringer zu sein. Es bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten. Eine konservative Therapie ist meiner Ansicht nach immer einer operativen Therapie im Zweifelsfall vorzuziehen.