Im Halsbereich befinden sich bei jedem Menschen sehr viele Lymphknoten. Bei Kindern sind die häufig tastbar, bei Erwachsenen im allgemeinen nicht, da sie zu klein und zu weich sind. Bei verschiedenen Krankheitszuständen, insbesondere bei Erkältungskrankheiten wie Anginen oder Nebenhöhlenentzündungen, können sich die Lymphknoten drastisch vergrößern. Sie werden dann tast- und sichtbar. In den allermeisten Fällen sind vergrößerte Halslymphknoten nicht gefährlich. In einigen wenigen Fällen können allerdings Halslymphknoten auch auf bösartige Erkrankungen hinweisen, besonders auf Metastasen eines Karzinoms oder auf bösartige Lymphknotenerkrankungen. Diese Fälle gilt es rasch zu erkennen und einer entsprechenden Behandlung zuzuführen.

Was sind Lymphknoten?

Lymphknoten gehören zu den lymphatischen Organen wie die Gaumenmandeln, die Rachenmandeln, weitere kleinere Mandeln im Halsbereich, die Peyerschen Plaques im Darm und der Wurmfortsatz des Blinddarms. Die Lymphknoten werden von Lymphgefäßen durchzogen und reinigen im Krankheitsfall die Lymphe von Schädlingen, wie z.B. Bakteriengiften oder auch Krebszellen. Im Halsbereich finden sich viele kleine Lymphgefäße, die mit dem bloßen Auge praktisch nicht sichtbar sind, diese Gefäße ziehen durch die Lymphknoten hindurch. Wir kennen das alle. Haben wir z.B. eine Angina, werden meistens auch die Lymphknoten größer. Dies ist dann keine Krankheit an sich, vielmehr werden Bakterientoxine durch die Lymphknoten aus dem Körper eliminiert, wodurch wir wieder schneller gesund werden.

Manche Menschen haben keine Lymphgefäße mehr nach Operationen im Halsbereich mit anschließender Bestrahlung . In diesem Fall staut sich die Lymphe im Kopf, die Patienten bekommen dann im Extremfall einen sehr großen Kopf mit einem Lymphödem.. Wir kennen dies auch manchmal vom Arm bei Frauen mit Brustkrebs, bei denen die entsprechenden Lymphgefäße ausgeräumt worden sind.

Wo befinden sich eigentlich die Halslymphknoten?

Die Halslymphknoten können sich am gesamten Hals befinden, insbesondere aber unterhalb des Unterkiefers bis zum Schlüsselbein, außerdem im Nackenbereich, vor den Ohren im Bereich der Ohrspeicheldrüse und auch hinter den Ohren. Im Stirnbereich gibt es praktisch keine Lymphknoten. Die Ausprägung der Lymphknoten und die Orte sind individuell sehr verschieden.

Sind Lymphknoten normalerweise tastbar?

Bei Kindern lassen sich Lymphknoten fast regelmäßig tasten. Hier sind sie stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen, außerdem wachsen die Lymphknoten im Laufe des Lebens nicht mit. Es findet sich im allgemeinen bei Kindern weniger Fett im Halsbereich, wodurch die Lymphknoten besser auffallen. Bis zum 7. Lebensjahr muß man sich im Regelfall überhaupt keine Gedanken machen, wenn Lymphknoten zu tasten sind. Auch bei Erwachsenen kann es im Einzelfall mal normal sein, wenn Lymphknoten zu tasten sind. Dies gilt besonders für sehr schlanke Menschen. Bei dickeren Menschen sind im Normalfall keine Lymphknoten tastbar, da diese durch die tastenden Finger nicht vom Fett abgegrenzt werden können.

Wann schwellen Lymphknoten an?

In den allermeisten Fällen schwellen Lymphknoten bei Infekten der oberen Luftwege und des oberen Verdauungstraktes an. Bei Erkältungen aller Art tun sie dies, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Bei der eitrigen Angina sind Halslymphknoten sehr oft stark vergrößert. Wenn die Krankheit dann ausgeheilt ist, bleiben die Lymphknoten oft noch längere Zeit bestehen. Dies ist praktisch nie als Alarmzeichen zu werten.

Es gibt auch spezifische Krankheiten, bei denen die Lymphknoten anschwellen. Hierzu gehört die Toxoplasmose, eine Parasitenerkrankung, die häufig durch Katzen übertragen wird. Die Toxoplasmose als solche verläuft oft harmlos ohne größere Krankheitsbeschwerden, es treten lediglich einzelne wenige sehr große Lymphknoten auf. Dies ist auch bei der Cytomegalie, einer Viruserkrankung, der Fall.. Bei einer Erkrankung mit dem Eppstein-Barr-Virus, der das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst, kommt es oft zu einer massiven Anschwellung der Halslymphknoten. Bei den genannten Erkrankungen sind die Lymphknoten im allgemeinen recht druckschmerzhaft. Die Krankheiten können durch bestimmte Laboruntersuchungen diagnostiziert werden.

Wann wird es gefährlich?

Vergrößerte Halslymphknoten können das erste Symptom einer bösartigen Erkrankung sein. Hier kommen insbesondere Krebserkrankungen im Bereich der Mandeln, des Kehlkopfs, aber auch unter Umständen der Bronchien oder in seltenen Fällen der Brust in Frage. Doch gibt es auch Krankheiten des Lymphsystems ansich, insbesondere der Morbus Hodgkin oder das Non-Hodgkin-Lymphom. Hierbei handelt es sich um Systemerkrankungen, die langsam die Lymphknoten des ganzen Körpers befallen und die unbehandelt mehr oder weniger schnell zum Tode führen.

Innerhalb der Ohrspeicheldrüsen, manchmal auch innerhalb der anderen Speicheldrüsen, gibt es auch gutartige Tumoren, die unbedingt behandelt werden müssen, da sie bösartig werden können.

Dies ist das pleomorphe Adenom der Ohrspeicheldrüse. Dieser Tumor zeichnet sich dadurch aus, daß er relativ fest ist, wenig verschieblich und sich im Bereich vor und kurz unterhalb des Ohres befindet. Der Tumor ist praktisch immer schmerzlos und kann jederzeit bösartig werden. Innerhalb der Speicheldrüse gibt es auch noch einen anderen gutartigen Tumor, das Zystadenolyphom. Dieser Tumor ist häufig familiär gehäuft, es treten mehrere Zysten in den Ohrspeicheldrüsen auf, die Erkrankung tritt praktisch nur bei Männern auf und werden nie bösartig. Solche Tumoren können gelegentlich mit Halslymphknoten verwechselt werden.

Selten treten heute vergrößerte Lymphknoten bei Tuberkulose auf. Aber auch diese Grunderkrankung sollte nicht gänzlich vergessen werden.

 

Nach welchen Kriterien können gutartige und bösartige Halslymphknoten unterschieden werden?

Folgende Tabelle soll einen ersten Hinweis geben:

 

eher harmlos

eher verdächtig

Größe

keine Aussage

keine Aussage

Wachstumstempo

keine Aussage

keine Aussage

gut verschieblich

X

 

schlecht verschieblich

 

X

weich

X

 

derb

 

X

länglich

X

 

rund

 

X

einseitig

 

X

beidseitig

X

 

druckschmerzhaft

X

 

Kinder

X

 

Entzündung im Halsbereich

X

 

Auftreten von Lähmungen

 

X

Tabelle zur Unterscheidung von Lymphknoten im Halsbereich

Es gilt die ganz klare Regel, daß im Zweifelsfall ein Lymphknoten als bösartig anzusehen ist, bis das Gegenteil erwiesen ist. Man darf keinesfalls einen vergrößerten Halslymphknoten bei einem Erwachsenen auf die leichte Schulter nehmen, andererseits sollte man auch nicht bei jedem vergrößerten Lymphknoten in Panik geraten.

Bösartige Halslymphknoten erkennt man häufig dadurch, daß sie sehr derb und hart sind, wenig verschieblich und relativ groß. Oft ist das Allgemeinbefinden reduziert, manche Patienten klagen über Nachtschweiß. Dies ist ein Alarmsyndrom!

Was macht der Arzt bei vergrößerten Halslymphknoten?

Zunächst einmal wird ein Tastbefund erhoben. Eine Ultraschalluntersuchung des Lymphknotens ergibt erste Hinweise darauf, ob er gut- oder bösartig ist. Es muß eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgen mit Spiegelung des Rachendachs, des gesamten Rachens, des Kehlkopfes und der Mundhöhle zum Ausschluß von bösartigen Tumoren in diesem Bereich. Ist die Gutartigkeit nicht 100% ausgeschlossen, sollte eine Feinnadelbiopsie erfolgen. Hierbei wird mit einer Kanüle der Lymphknoten angestochen und ein bißchen Gewebe entnommen, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Liegt der Verdacht auf eine spezifische Erkrankung vor, muß dies mit entsprechenden Labor- oder sonstigen Methoden abgeklärt werden. Besteht nach allen Untersuchungen weiterhin die Möglichkeit, daß es sich um einen bösartigen Lymphknoten handelt, muß der Lymphknoten operativ entfernt werden, um ihn unter dem Mikroskop zu untersuchen. Häufig ist erst dann eine genaue Aussage möglich.

Was muß ich als Patient tun?

Wenn Sie bei sich einen vergrößerten Halslymphknoten entdecken und dieser länger als zwei Wochen besteht, sollten sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Vermeiden Sie es aber unbedingt, ständig an dem Lymphknoten herumzutasten, da dies das Wachstum fördert und das Abheilen des Lymphknoten erschwert. Sollte der Arzt Ihnen sagen, daß der Lymphknoten eher harmlos ist, muß nach spätestens zwei Monaten ein erneuter Arztbesuch erfolgen, wenn der Lymphknoten bis dahin nicht abgeheilt ist. Die Entscheidung, was dann weiter gemacht wird, hängt vom Einzelfall ab.